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Aus Leo Woerls Biografie mit Originalzitaten aus
Salvators Werk:
Die erste Auflage dieses Werkes 1878 blieb auf engere
Kreise beschränkt und nach einem nochmaligen Besuche des geschilderten
Landes liess Erzherzog Ludwig Salvator die zweite Auflage 1885 mit 15
Holzschnitten nach Originalaufnahmen von seiner Hand erscheinen. Das
Buch gewährt ein ganz besonderes Interesse nicht allein jenen bevorzugten
Reisenden, die zu ihrem Sommer- oder Winteraufenthalt nach Belieben
die schönsten Gegenden aufsuchen können, sondern im Speziellen
den Europamüden, deren Mittel dieses Ziehen gleich den Wandervögeln
nicht zulassen und die durch Auswanderung in bessere Breitegrade Gesundheit
und Wohlstand zu finden hoffen. Kein Land biete zu solchen Zwecken so
grosse Vorteile, keines sei zur europäischen Auswanderung in jeder
Beziehung so geeignet, wie Kalifornien, ein Land, welches Fruchtbarkeit
des Bodens und Leichtigkeit jedweder industrieller Entwicklung mit Gesundheit
des Klimas verbindet, wo die Rauheit des Winters und die Hitze des Sommers
ebenso unbekannt sind. Die menschenfreundliche Gesinnung des fürstlichen
Autors kennzeichnet sich besonders in folgenden Worten:
Es
war meine Absicht, in dieser Skizze des so gesegneten Winkels Kaliforniens
die Möglichkeit, ja die Leichtigkeit des Erwerbes darzuthun und
ich würde mich zufrieden schätzen, wenn ich mit diesen Seiten
Einigen zur Gründung eines angenehmen glücklichen Daheims
verholfen hätte.

Unter
dem Namen Südkalifornien versteht man gewöhnlich nicht die
noch unter mexikanischer Herrschaft stehende südliche Spitze der
Halbinsel, sondern jenen Teil des Unionstaates Kalifornien, welcher
sich vom 36. Grad bis zur südlichen Grenze desselben ausdehnt.
Unter den sieben Grafschaften Kaliforniens ist keine in ihren Gesamtverhältnissen
von der Natur so begünstigt wie jene von Los Angeles, die Erzherzog
Ludwig Salvator mit Recht als eine Blume aus dem Goldenen Lande bezeichnet.
Das landschaftlich äusserst schöne Gebiet erfreut sich eines
sehr gesegneten Klimas, gleichsam eines ewigen Frühlings, sodass
sich die grösseren Orte vortrefflich als Luftkurorte qualifizieren.
Es giebt keinen Monat des Jahres, wo nicht irgendeine Frucht reifte
oder verschiedenartige Blumen blühten. Einen eigentlichen Winter
giebt es in Los Angeles nicht, sondern nur eine vier Monate andauernde
Regenzeit und darnach erwacht die Natur wie mit Zauberkraft von neuem,
die Hügellehnen kleiden sich in Grün, die braune Erde der
Ebene strotzt von wogenden Gräsern und die ganze Gegend prangt
schon im Dezember im Frühlingsschmucke wie im April und Mai in
den Oststaaten. Das Land ist äusserst gesund, dank der Gleichmässigkeit
seines Klimas und der trockenen stärkenden Luft, sowie den im Sommer
wehenden Brisen, dank auch dem trefflichen Wasser. Der Ozean auf der
einen Seite und eine grosse Wüste auf der andern, der Mangel an
verpesteten Tümpeln und Morästen schliessen die Möglichkeit
miasmischer Einflüsse aus.

Die folgenden Kapitel des Werkes geben interessante
Aufschlüsse über die Einwohner.
Unter
der alten spanischen und mexikanischen Regierung bildeten die Sprösslinge
rein spanischen Geblütes die Aristokratie der Gegend und sie sind
heute noch die ersten unter den Kaliforniern. Die Grafschaft zählte
nach dem Census von 1880 eine Bevölkerung von 33381 Seelen, welche
sich aus 31707 Weissen, 138 Farbigen, 1170 Chinesen und 316 Indianern
zusammensetzt. Dieselbe ist sehr gemischt, denn aus aller Herren Länder
strömen Leute zu diesem Paradies. Etwas mehr als ein Viertel davon
sind Kalifornier, unter welcher Bezeichnung man die Spanier und ihre
Abkömmlinge sowie Mischlinge mit Indianern versteht. Zum Gegensatz
nennt man eigentümlicher Weise Amerikaner alle Angelsachsen und
die aus anderen Staaten der Union eingewanderten, welche jetzt die Mehrzahl
und den geistigen Kern der Bevölkerung bilden. Es sind intelligente,
thatkräftige, industriöse Leute, alle beseelt von lebhaftem
Interesse für die Gegend, wo sie Reichtum und Wohlfahrt erlangt
haben. Die ursprünglichen Einwohner, die Indianer, verschwinden
von Jahr zu Jahr mehr. Trunksucht und von den Europäern vererbte
Krankheiten räumen erschreckend unter ihnen auf. Die Chinesen sind
die eigentlichen Arbeiter, sehr verwendbar und geben sich infolge ihrer
Genügsamkeit mit einem geringeren Tagelohn zufrieden als die weissen
Arbeiter.
Ackerbau, Viehzucht, Bienenzucht und Bergbau sind die Hauptzweige der
Betriebsamkeit auf dem offenen Lande der Grafschaft, während der
Handel, Gewerbefleiss und Obstkultur hauptsächlich die Stadt Los
Angeles beschäftigt. Der Ackerbau bildet die Hauptquelle des Reichtums.
Der Wein gedeiht in vorzüglicher Güte. Los Angeles ist der
beste Traubendistrikt Kaliforniens und das Zentrum der Orangenkultur.
Man kultiviert ferner den Öl-, Feigen- und Mandelbaum; selbst unsere
Birn- und Äpfelbäume liefern treffliche und reiche Früchte,
und unter den Nussbäumen, die sehr verbreitet sind, giebt es Riesenexemplare,
deren Erträgnisse sehr bedeutende sind. Die Natur bleibt das ganze
Jahr grün, sodass der Landmann mitten im Winter sein gesamtes Vieh
weiden sehen kann, während die Vögel munter singen wie im
Frühjahr.

Das Werk zählt mit gründlicher Sachkenntnis
die Produkte auf, welche das Land in ungemein reicher Weise hervorbringt
und welche wohl noch eingeführt und, richtig behandelt, erzeugt
werden könnten, bespricht die Preise für Grund und Boden und
zeigt, dass auch der Industrie, dem Handel und dem Bergbau eine schöne
Zukunft blüht. Ein eignes Kapitel bespricht die Vorteile, welche
sich den Ansiedlern darbieten: es giebt im Los Angeles-Thale allein
über eine halbe Million Acres, gutes Land, welches auf einen hohen
Grad der Kultur gebracht werden könnte. Auch dem Handelsmann und
Industriellen steht eine glänzende Zukunft offen, allein die Haupterfordernisse
sind wie anderswo: Fleiss, Arbeitsamkeit und Ausdauer, denn dies verlangt
man in Amerika in noch reicherem Masse als in unseren Gegenden. Hat
man diese Eigenschaften und etwas Kapital dazu, so sind die Chancen,
reich zu werden, unleugbar viel bedeutender als in Europa. Für
die Europamüden, welche Lust haben, sich dort anzusiedeln, giebt
das Buch recht praktische Winke und Ratschläge.
Die
rasch aufblühende, von einem Kranz von Bergen umgebene Stadt Los
Angeles besitzt meistens einstöckige Häuser, eine schöne
Kathedrale, und beseelt von dem Geiste wahrer Toleranz, liegen eine
Reihe Gotteshäuser der verschiedenen Glaubensbekenntnisse fast
neben einander. Es existieren gute Schulen, von denen eine Hochschule
besonders durch ihr stattliches Gebäude hervorragt, auch ist die
Stadt mit Gas beleuchtet. Für das materielle Leben und die Existenz
der Fremden ist gut gesorgt. Es giebt mehrere grosse, komfortabel eingerichtete
Gasthäuser; dieselben sind während der Winterszeit durch Leute,
welche die gelinden Lüfte Süd-Kaliforniens geniessen wollen,
meist überfüllt. Die Umgebung von Los Angeles bietet interessante
Ausflüge, die man per Bahn und per Wagen unternehmen kann, besonders
wird der Besuch der alten Mission San Gabriel mit den herrlichen, sie
umgebenden Gärten hervorgehoben. Thatsächlich haben auch die
alten Missionen die Grundlage zu neuen Ansiedlungen gebildet und viele
derselben haben sich zu blühenden Städten emporgehoben. Santa
Monica, 17 Meilen von Los Angeles, wird wegen der Seebäder besucht
und eine Eisenbahn führt dahin. Das sich darbietende Bild am dortigen
Seestrande ist wirklich sehr belebt und anziehend durch die mit langen
Stöcken versehenen Mexikaner, braun wie die Kinder der Wüste,
und eleganten Damen, welche auf ihren Pferden das Ufer entlang dahineilen.
Die Zelte mit Matten, Möbeln und Betten, meist Feldbetten, sind
inwendig mit hölzernen Stellagen und Sockeln versehen, das Zelttuch
ist darauf genagelt, also festbleibend, indem es für wochen-, ja
monatelangen Landaufenthalt bestimmt ist.
San Monica ist der nächste und Wilmington
der beste Landungsplatz, der eigentliche Hafen von Los Angeles. Es liegt
23 Meilen südlich von der Stadt, am Ende der Wilmington-Linie der
Southern Pacific R.R. Erzherzog Ludwig Salvator schiffte sich auf der
dortigen Rhede ein - "die Sonne sinkt in verklärendem Glanze,
die fernen Umrisse von Santa Catalina erscheinen und morgen, wenn die
leuchtende Sonne wieder aufgeht über diesem gesegneten Lande, werden
wir die Küsten von Los Angeles nicht mehr sehen und so lebe wohl,
du Blume aus dem Goldenen Lande.
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