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Aus Leo Woerls Biografie mit Originalzitaten aus Salvators Werk:
Diesen Worten der Einleitung hat der erzherzogliche
Autor noch angefügt:
Zu Anfang des Jahres 1824 lebten die Kolonisten noch
im Abhängigkeitsverhältnisse, aber schon im Dezember des folgenden
Jahres wurden sie zur unabhängigen Kolonie unter einem Gouverneur
erhoben. Das Land nahm nun einen gewaltigen Aufschwung. Die Einwohnerzahl,
durch Einwanderer verstärkt, wuchs rasch, Handel und Wandel blühten
auf. Wie ganz Australien, so hörte auch Tasmanien 1853 auf, eine
Strafkolonie zu sein. Im Jahre 1857 wurde die erste Telegraphenleitung
in Hobart eröffnet und die Gasbeleuchtung in der Stadt eingeführt,
1871 die erste Eisenbahn dem Verkehr übergeben. Über das Klima schreibt Erzherzog Ludwig Salvator im dritten Abschnitte, dass kaum ein besseres auf Erden zu finden ist. Der Winter mild wie an der Riviera, der Sommer, dank der vorherrschenden Südwinde, fast so kühl wie in England, die Nächte stets von labender Kühle; dazu der reine Himmel, die sonnige, durchsichtige Atmosphäre, die schöne Landschaft und die grossartigen Ausblicke auf den Stillen Ozean, der häufig von dem schönsten Blau ist, sodass er in dieser Beziehung mit dem Mittelmeere rivalisieren könnte. Durch acht Monate des Jahres kann man, namentlich des Morgens, auf klares Wetter rechnen. Alle diese Verhältnisse müssen notwendigerweise auf die Gesundheit günstig wirken. Die folgenden Kapitel behandeln geologische Verhältnisse, dann Mineralien, Pflanzen und Tiere auf Tasmanien. Das siebente Kapitel ist besonders interessant; es
giebt eingehenden Aufschluss über die vollständig ausgestorbenen,
eingeborenen Tasmanier. Mit Cyklonenkraft hat die Einwanderung der Weissen
die Bevölkerung verdrängt. Der Verzweiflungskrieg, den dieselbe
um ihre Existenz führte, war es indessen nicht allein, was sie
einer raschen Vernichtung entgegenführte, sondern, nachdem man
ihnen ihre besten Gründe genommen und ihre Jagden vernichtet hatte,
verkamen sie allmählich und das Gift europäischer Laster,
Ausschweifung und Trunksucht, trug nicht wenig dazu bei. Diese Erscheinung
kann man noch heutzutage in Nordamerika bei den Indianern, auf Neuseeland
bei den Maoris, und auf dem australischen Kontinente bei den Negritos
beobachten, und dies geschah auch seiner Zeit bei den Tasmaniern. Die
Kenntnisse über jenen Volksstamm, soweit sie noch vorhanden sind,
hat der hohe Verfasser zu einem anschaulichen Bilde verwertet, in welchem
er die früheren Eingeborenen in ihrer Lebensweise, ihren Sitten
und Gewohnheiten schildert. Die beigegebenen statistischen Tabellen geben Aufschluss über Altersverhältnis, Geburtsorte, Eheverhältnisse, Nationalität, Geburten, Todesfälle, Heiraten, Ein- und Auswanderung und Kriminalstatistik. Aus letzterer resultiert sich die erfreuliche Thatsache, dass die Bevölkerung Tasmaniens in Bezug auf moralische Eigenschaften jetzt sehr streng ist, eine Erscheinung, die man bei einem Volke, welches zum Teil von den ehemaligen deportierten Sträflingen abstammt, kaum ahnen möchte. Der vorherrschende Zug ist eine gewisse Behaglichkeit. Man findet nicht jene hastende mit Dampf arbeitende Thätigkeit wie in anderen Kolonien, dafür giebt es aber hier mehr innere Zufriedenheit. Die Häuser sind nach englischer Manier gebaut und die Sitten haben den englischen Charakter mehr bewahrt, als jede andere australische Kolonie. Auch sind allenthalben zumeist englische Namen in Verwendung. Die Bildung ist eine ziemlich grosse und allgemeine, überall werden öffentliche Schulen errichtet. Der Ackerbau bildet, wie uns ein ausführliches Kapitel belehrt, den Haupterwerbszweig Tasmaniens und nimmt von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Entwicklung zu. Die Einnahmen sind gut, da Boden und Klima günstig sind. Nicht bloss in Bezug auf die Quantität, sondern auch bezüglich der Qualität bietet das Getreide Tasmaniens alles, was ein Farmer nur wünschen kann. Eingefügte statistische Tabellen geben genauen Aufschluss über Kulturland, Ernten, Ertrag derselben, landwirtschaftliche Maschinen etc. Dem Kapitel Viehzucht entnehmen wir, dass dieselbe ebenfalls sehr erträgnisreich ist, vorzüglich die Aufzucht edler Schafe, Rinder, Pferde, Schweine u.s.w., welche stets grosser Nachfrage in anderen Kolonien begegnen, wie die statistischen Tabellen beweisen. Die Schafe bilden das Hauptkontingent und es genüge die Thatsache, dass Tasmanien im Jahre 1878 8 029 808 Pfd. Wolle im Werte von 472 781 Pfd. Sterling ausführte. Besonders günstig ist das Klima für die Entwicklung der Pferde, für welche die Tasmanier, als echte Nachkommen der Engländer, eine grosse Vorliebe haben. Das Hornvieh lebt meist in einem halb verwilderten Zustande; es wird gewöhnlich bloss einmal im Jahre durch Hirten zu Pferde zusammengetrieben, um die Kälber auszusuchen und zu brennen. Die Kühe sind daher wild und schwer zu melken. Bei der Besprechung von Industrie und Handel fällt es auf, dass der Export den Import nur um verhältnismässig Weniges übersteigt; diese Erscheinung wird erklärt aus der Vorliebe der Kolonisten für die in ihrer Kolonie selbst erzeugten Gegenstände, wodurch der heimische Verbrauch ein hoher ist. Infolge seiner Lage ist die Schiffahrt für Tasmanien
von besonderer Wichtigkeit. Zumeist sind es englische und Kolonialschiffe,
die den Verkehr mit den australischen Kolonien vermitteln. Die grösste
Verkehrsziffer (145 Schiffe im Jahre 1881) weist der Hafen von Hobart
auf. Die Post nach Europa verkehrt alle 14 Tage über die Overland-Route
via Melbourne. Im weiteren Verlaufe des Werkes werden die Einnahmen und Ausgaben, Banken, Wohlthätigkeitsanstalten, Gesellschaften ziffernmässig genau dargestellt, die Regierung erwähnt und den Schluss des allgemeinen Teiles bildet: "Ein Kapitel für Auswanderer, Vergangenheit und Gegenwart", in welchem der hohe Verfasser seine diesbezügliche Erfahrung und Ratschläge niederlegt. Es würde uns zu weit führen, den interessanten Stoff, wie er es verdiente, eingehender zu zitieren, wir müssen uns begnügen, einige Stellen daraus zu entnehmen. Erzherzog Ludwig Salvator schreibt: Über die Grösse der Löhne und Preise der Nahrungsmittel und Waren, des Ackerbodens und der Bodenzinse geben die statistischen Tabellen den sich dafür Interessierenden genauen Aufschluss. Der hohe Verfasser fügt noch einen wohlgemeinten Rat an, indem er zum Schlusse spricht: "Will der Auswanderer sich nicht der Agrikultur oder Viehzucht widmen, so bleibe er lieber zu Hause. Hat er aber etwas Kapital, und Lust und Liebe zum Landleben, dann frisch hinaus nach dem glücklichen Tasmanien."
Hobarttown besitzt neben den beiden Kathedralen, der
katholischen und episkopalen, nicht weniger als 31 Kirchen und Kapellen,
62 Privatschulen und 7 öffentliche Schulen, ein Theater und ein
sehenswertes Museum vaterländischer Produkte und Erzeugnisse. Ein
Überblick über die ganz Stadt, wie sie sich sanft anlehnt
an die doppelte Mulde, in der Mitte von der katholischen Kirche überragt,
dann der ganze Hafen mit seinen Buchten, der ein schönes Bild darbietet,
weiter die andere Anhöhe der Stadt, von der englischen Kirche überragt,
endlich als Hintergrund die Hügel mit bewaldeten Gipfeln, und bebauten
Abhängen: Dieser Anblick gewährt eine Vorstellung von der
Lieblichkeit der Uferscenerie und von der vortrefflichen Lage der Stadt.
Hobarttown verfügt über eine bedeutende Dockausdehnung, welche
eine grosse Bequemlichkeit zum Auf- und Abladen sowie zum Ausbessern
der Schiffe bietet. Der Hafen von Hobarttown ist einer der schönsten
auf der Welt. Gegen alle Winde geschützt und leicht zugänglich,
ist er, dank seiner Tiefe, imstande, ganze Flotten der grössten
Schiffe dicht bei den Magazinen aufzunehmen.
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