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Aus Leo Woerls Biographie mit Originalzitaten aus
Salvators Werk:
Ein nur kleines Büchlein und doch so reichhaltig zum Verständnis
der wahrhaft poetischen Veranlagung des fürstlichen Verfassers.
Die Lage von Helgoland, die Einrichtungen, das Leben auf der Insel werden
uns klar und in reizvollen Farben geschildert. Interessanter und wichtiger
für uns zu dem Zwecke, ein Lebensbild des Erzherzogs mit seinen
eigenen Worten zu entwickeln, sind die Eindrücke, die er beim Anblick
der See von der hohen felsigen Küste empfindet und die er so feinsinnig
wiedergiebt.

Wenn
in den warmen Morgenstunden die Natur einen Augenblick zu schlummern
scheint, und in wunderbarer Klarheit Himmel und Meer erglänzen,
dann ist es ein wonnigliches Gefühl, dort auf jenen Anhöhen
zu sitzen und hinunter in die Tiefe zu blicken auf die smaragdgrüne
See, welche keine Brise kräuselt, und Steine in den Abgrund zu
schleudern, die von Kante zu Kante springend, endlich ins Wasser stürzen
und einen augenblicklichen Springbrunnen nebst einer Unzahl von Ringen
veranlassen.

Wenn
der Nordwind braust und graue Wolken sich am Horizonte ansammeln, auf
deren schwarzem Hintergrunde sich das Leuchten der zuckenden Blitze
grell abhebt, ist es ein schauriges Vergnügen, von jenen Höhen
dem furchtbaren Anprallen der Wogen an die schroffen Wände zu lauschen,
welches bloss vom wilden Gekreische der erschrockenen Seevögel
übertönt wird. Bald folgt Woge auf Woge in regelmässigem,
grossartigen Takte, bald jagen sich die Wellen, vom Sturmwinde gepeitscht,
im verworrensten Gedränge. Obwohl im Hochsommer, welkt die kalte
Luft die wenigen Blumen, und man glaubt die Natur in einer schmerzlichen
Agonie begriffen zu sehen.

Unter
allen Anhöhen ist aber keine so hoch und so schön, wie jene
am nordwestlichen Ende, die man den "Sonnenuntergang" nennt.
Bis dorthin führt der vorhin erwähnte Pfad und hier hat man
eine Bank aufgestellt, um das schöne Schauspiel, das die sinkende
Sonne gewährt, besser geniessen zu können. Ich habe an vielen
Orten den Sonnenuntergang gesehen, jedoch dünkt es mich, ihn nirgends
so schön und so grossartig wie in Helgoland gefunden zu haben.
Auch die Lage des Ortes trägt viel dazu bei, um den Eindruck zu
erhöhen; die grünende Fläche hört plötzlich
auf und läuft in schroffe und senkrechte Abstürze aus, welche
die Seevögel umkreisen. Sonst gewahrt man nichts als das weite
Meer, einsam und belebt zugleich, kein Segel unterbricht die glatte
Fläche, die, von der sich neigenden Sonne beleuchtet, in Gold und
Purpur strahlt. Der Himmel ist ganz wie mit Rosa überhaucht, und
in unabsehbarer Ferne taucht die Sonne wie ein riesiger Meteor in das
Meer; häufig liegen duftige Wolken am Horizonte, hinter denen sie
wie eine feuersprühende Kugel verschwindet, bevor sie vollständig
untersinkt.

Das
dunkelblaue Meer breitet sich hier vor unseren Augen aus, und nichts
als Meer und Himmel sieht man in der Ferne, kein Ruhepunkt bietet sich
den umherspähenden Blicken dar als die öde Düne und die
Rauchsäule einzelner vorbeifahrender Dampfschiffe. Man geniesst
jene träumerische Stille und hat jenes Gefühl innerer Ruhe,
das man nur am Meere empfindet, und welches bloss derjenige, der an
demselben aufgewachsen ist und dem das traute Element die erste Unterhaltung
in den Kinderjahren war, zu schätzen weiss.

Während
meines Aufenthaltes auf Helgoland fuhr ich gerne mit den Fischern aufs
Meer hinaus; die Gesellschaft jener einfachen Menschen ist einem viel
angenehmer, ich möchte sagen auch lehrreicher, als die mancher
Gebildeten. Man muss sich aber die dortigen Fischer nicht wie jene an
der Adria oder des Mittelmeeres vorstellen; es sind viel feinere und
gewitzigtere Leute, welche sogar den Fremden, die ihre Barke "beehren",
gedruckte Visitenkarten zur Erinnerung geben; dagegen fehlt ihnen der
dichterische Anflug, welcher jenen sonnenverbrannten Kindern des Südens
eigen ist. Trotzdem hatte ich meine Lust daran, in ihren Booten zu weilen
und, von den Wogen geschaukelt, weite Segel einzuholen oder in unbeständigem
Laufe den umherflatternden Seevögeln nachzufahren.
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