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Auf dem himmelblauen Grunde des Einbandes steht in
Silberschrift das geheimnisvolle Wort "Columbretes", über
welches fliegende Seemöven ziehen, während den unteren Teil
des Buchdeckels, gleichfalls silberschimmernd, das Abbild eines säulenartigen
hohen Felsenriffes, das aus den Meereswogen emporgestiegen ist, schmückt.
Zur Rechten dieser Felsensäule sieht man die Hauptinsel der Columbretes
mit dem Leuchtturme und andere Felseninseln der Gruppe, zur Linken gleichfalls
zackenreiche Inselriffe aus den Fluten aufstreben.
Das Werk, mit einer grossen Zahl von Federzeichnungen
geziert, ist eine Monographie der im Mittelländischen Meere liegenden
Gruppe von Felseninseln, welche nach den Schlangen, die einst dort zahlreich
heimisch waren, Columbretes genannt wird. Das Mittelmeer ist bekanntlich
das Arbeitsgebiet des Erzherzogs, der, kaum dass eines seiner Werke
dem Ende entgegengeht, auch schon mit freudigem Eifer ein neues in Angriff
nimmt, oder doch vorbereitet. Mit welcher Gewissenhaftigkeit der erlauchte
Autor und Künstler bei der Aufnahme seiner Zeichnungen, bei der
Aufsuchung und Feststellung der notwendigen Daten vorgeht, ist aus jeder
seiner Arbeiten ersichtlich. Die Zeichnungen, flott und gewandt mit
der Feder hingeworfen, sind durchwegs von einer geradezu lebendigen,
packenden Plastik, und obgleich vielfach nur die Konturen der einzelnen
Inseln und Felsenriffe festgehalten und nur wenige Schattenstellen markiert
sind, gewinnen die Ansichten doch beinahe den Reiz des Farbigen und
Lebendigen.

Man kann kaum rascher die Eigenart der Inselgruppe
vorführen, als wenn man die einleitenden Worte, welche der Verfasser
dem Werke vorgesetzt hat, hier wiedergiebt. Auch in dieser knappen Schilderung
finden wir den vollen Reiz der frischen ungekünstelten und getreuen
Darstellung, welche uns aus dem ganzen Buche so gewinnend, überzeugend
und unterrichtend entgegenweht. Gleich die ersten Sätze rollen
die Welt um die kleinen Felseninseln der Columbretes vor unserem geistigen
Auge in blendender Schöne auf:
Vielleicht
an keiner Stelle des Mittelmeeres zeigt sich die Natur so heiter, so
lachend, wie an Valencias Ufern. Der Himmel wetteifert an Bläue
mit jenem von Syrien und Ägypten, die Wogen des blauen Meeres brechen
sich sanft und liebkosend am sandigen Ufer, dahinter erstrecken sich
die schönsten Gefilde mit dem üppigsten Boden, von reichhaltigem
Wasser berieselt, wo sich die schwelgerischeste Vegetation entwickelt,
in den gesegneten Huertas von Valencia und Castellon mit den endlosen
Orangenpflanzungen. Ja, es scheint, dass auch die Einwohner dieses allgemeinen
Segens teilhaftig wurden, wie in der geweckten Anlage ihres Geistes,
so in der Schönheit ihrer Formen. An der nördlichen Grenze
dieses Golfes, gleichsam die Meilenzeiger, um ihn beim Annähern
dem Schiffer kenntlich zu machen, liegen die kleinen vulkanischen Felseninseln
der Columbretes, die von der Natur des benachbarten Festlandes ganz
abstechend, gleichsam das Gegenstück zu den griechischen Kaymenen
im westlichen Mittelmeere bilden . . . Häufig war ich an ihren
Ufer vorübergefahren und in manch dunkler Nacht hatte ich ihr schützendes
Leuchtfeuer erblickt; nun wollte ich aber eine zeitlang auf denselben
weilen und sie dünken mir noch wie eine Vision von Sonne, Meeresbläue
und labender Brise. Das stille abgeschlossenen Leben mit den wenigen
Turmwächtern, den einzigen Bewohnern des grösseren Felseneilandes,
wirkte erholend und begeisternd zugleich, und diese Einsamkeit war mir
so lieb geworden, dass, aufrichtig gesagt, mir eines Tages fast bange
wurde, als ich ein Segelboot herankommen sah und glaubte, es sei nach
Columbretes gerichtet; doch ward es mir bald leichter zu Mute, als es
seinen Kurs änderte und dem Festlande zu hinauflavierte. Endlich
kam aber auch der Tag, an dem es scheiden hiess von dieser Felseneinsamkeit,
und es blieb mir nichts als die Erinnerung und die flüchtig auf
Papier gebrachten Skizzen von Columbretes...

In wenigen Worten orientiert uns der Autor über
die Lage der Inseln, indem er schreibt:
Die Columbretes
liegen auf der höchsten Stelle einer Schlammbank, welche, von braunem
Sande umgeben, mit 70 bis 85 Meter Wasser darüber, sich bis 15
Meilen weit südlich erstreckt, fast 3,5 Meilen von Norden nach
Süden einnehmend. Sie bilden vier Gruppen - die der Hauptinsel
Mascarrat und Moncolibre und jene der Ferrera, der Foradada und des
Bergan-tin - welche voneinander durch Kanäle mit Kiesel- und Muschelgrund
geschieden sind...
In einer Reihe von Tabellen werden späterhin
die Beobachtungen der Torreros (der Leuchtturmswächter) über
die klimatologischen und meteorologischen Verhältnisse der Inseln
niedergelegt, ebenso wird über die geognostischen Elemente der
Gruppe Ausführliches mitgeteilt. Von besonderem Interesse sind
die Mitteilungen über die Pflanzen- und Tierwelt auf den Inseln.

Eine
Spezialität von Columbretes", heisst es da, "sind die
zahlreichen Skorpione, welche man namentlich vom 15. Mai bis zum 15.
September in Menge vorfindet. Anfangs konnte man nicht einen Stein heben,
ohne darunter eines oder mehrere dieser Tiere zu sehen. Die Arbeiter,
welche bei dem Baue des Leuchtturmes beschäftigt waren, vertilgten
sie, namentlich des Nachts, eine Fackel aus harzigem Holz in der einen
und eine Zange, um sie zu fassen, in der andren Hand. Noch mehr trugen
jedoch zur Vertilgung der Skorpione, die Hühner, die man einführte,
bei, welche sie mit Vorliebe frassen . . ." Tauben giebt es nicht
an den Küsten dieser Inseln und Inselriffe, auch keine Kormorane,
dafür aber Silbermöven auf den Inselriffen Ferrera und Foradada.
"Sie kommen", erzählt der Autor, "namentlich im
Frühjahre nach den Columbretes, wo sie mit Freuden begrüsst
werden; sind sie doch die Frühjahrsboten, welche auf den friedlichen
Felsen unbelauscht und ungestört ihr Nest anlegen .

Der Verfasser verrät ein scharfes
Auge für die Vorgänge in der Natur und entwirft ein lebhaftes
Bild, indem er schreibt:
Und horch, wie
sie gellen in verlorenen Harfentönen, wenn sie auf einer Felsenspitze
sitzen. Wenn sie fliegen, so geschieht dies langsam, wie mit Behagen;
bei ihnen ist das Fliegen nicht Zweck, sondern Unterhaltung, und ihr
Silberweiss sticht scharf ab von der doppelten Bläue des Meeres
und des Himmels und sie dünken einem fast als ätherische Gestalten.
Wenn der Nordost naht, da fliegen sie nicht gaukelnd wie gewöhnlich,
sondern stetig und wie gegossen hoch in den Lüften, windwärts,
gleichsam als Steuerleute, die Augen gegen ein unsichtbares Ziel gerichtet,
und es scheint, als würde ihre Freude bloss darin bestehen, den
genügenden Widerstand der entgegenströmenden Luft zu bieten,
um an derselben Stelle zu bleiben, als wollte sie sich nicht von der
heimatlichen Scholle entfernen und nur dem hereinbrechenden Sturmwinde
trotzen. So sieht man ihrer manchmal eine ganze Reihe und das Wahrzeichen
wird selten fehlschlagen. Bald wird die Oberfläche des schon säulenartig
Wellen voraussendenden Meeres sich kräuseln und schon gewahrt man
in der Ferne die weissen Lämmer des anlangenden Windes.
Aus diesem mit kräftigen Farben
gemalten Bildchen erkennt man sofort den gewiegten kundigen Seemann,
den tiefen Beobachter der Erscheinungen auf dem Meere und in den Lüften.
Und an derartigen kräftig geschilderten Genrebildchen der Natur
ist das Werk überreich. Nur wer mit allen Stimmungen im Leben auf
dem Meere so vertraut ist, wie der erlauchte Schriftsteller, wer so,
wie er, aus der Fülle seiner vieljährigen Erfahrungen schöpfen
kann, vermag in scheinbar so nebensächlichen Schilderungen wahrhaft
lebensvolle, lebenstreue und instruktive Wahrnehmungen zu geben.

In dem Kapitel über Fischfang und Jagd finden
sich sehr lesenswerte Daten über die Fischer und ihre Erwerbsverhältnisse.
Der Fischreichtum in den Gewässern der Inselgruppe ist zwar sehr
gross, doch wird zum namhaftesten Teile auf Langusten gefischt. Die
Fische in den freieren reineren Gewässern sind weit schmackhafter
als jene der benachbarten Festlandsküste; es finden sich daher
zur Sommerszeit stets viele Fischerboote hier ein.
Die Fischer
verdingen sich nicht auf Tagelohn, sondern auf Antheil, a parte. Hierbei
wird die ganze Fischausbeute", heisst es weiter. "in gleiche
Teile geschieden. Der Patron bezieht für seine Person 1 ½,
als Entschädigung für das Boot und das Fischwerkzeug 2 ½
Anteile, sodann, wenn der Patron und vier Mann eingeschifft sind, man
8 Teile macht, von denen 4 der Patron und von den übrigen 4 je
einen jeder Matrose erhält. Diese Verteilungen werden wöchentlich
oder alle vierzehn Tage vorgenommen.

Über den Fang der Langusten in diesen Gewässern äussert
sich der Autor in folgender Weise:
Der Langustenfang
geschieht fast ausschliesslich mit Netzen; nach allgemeiner Berechnung
werden während der Saison im Durchschnitt 3000 Kilogramm per Boot
gefangen. Hauptsächlich fängt man sie mit der Bolecha, einem
stärkeren einfachen Wandnetze mit dicken Maschen, manchmal aber
auch mit der Angelschnur oder Palangon, die man mit Gibia (Sepia, Tintenfisch)
und Sardine ködert, sowie auch, wiewohl seltener, mit dem Tresmallo,
einem Wandnetze nämlich, das aus drei übereinander gelegten
Netzen besteht, wovon ein dünneres in der Mitte und je ein breitmaschigeres
zu beiden Seiten sich befindet. Mit Reusen werden Langusten niemals,
wohl aber Muränen und andere Fischsorten gefangen.

Über das Leben der Leuchtturmswächter, der
Torreros, das dem Laien sehr traurig zu sein scheint, wird berichtet:
Auf ein Jahr
eingeschifft auf dem grössten Schiffe der Welt, verankert an einer
der lachendsten Stellen des westlichen Mittelmeeres, das unbeweglich
und klippenstarr jedem Sturme trotzt, einem Schiffe, an dessen steilen
Wänden die Wogen auf Jahrhunderte hinaus vergebens zu nahen scheinen,
haben sie eine bequeme Wohnung, ein Jeder unabhängig für sich,
mit dem gemeinsamen Arbeitsfelde in dem, im isolirten Hofraume sich
erhebenden Leuchtturm, einen ziemlich ebenen langen Spaziergang auf
der Inselhöhe und alle vierzehn Tage erhalten sie frische Lebensmittel
und Nachrichten von ihren Lieben. Die Gewohnheit macht ihnen die Abgeschlossenheit
weniger empfindlich und die gesunde Luft trägt viel dazu bei, den
Aufenthalt angenehmer zu machen. Es ist ein wahres Paradies für
Kinder; nach wenigen Wochen, die sie dort weilen, nehmen sie an Kraft
und frischer Farbe zu. . . . Auf die jetzigen Leuchtturmswächter
schien die Abgeschlossenheit nicht drückend zu wirken, sie genossen
vielmehr den schönen Punkt, auf welchem sie weilten. . . Leicht
wie das Leben der Wachteln, Turteltauben, Drosseln und Lerchen, welche
im Frühjahre und Herbste dahingezogen kommen, um einige Stunden
auszuruhen und dann wieder ihren Flug zum benachbarten Festlande und
weiter nord- und südwärts aufzunehmen, ist das Leben der dortigen
Bewohner. Auch sie sind Zugvögel, nur auf ein Jahr auf ihren Posten
angewiesen, und schon wieder die Gedanken auf jenen Leuchtturm richtend,
nach welchem sie dann überzusiedeln haben. . .
Der Autor erwähnt noch, dass mit dem vollendeten 65. Lebensjahre
der Dienst der Leuchtturmswächter aufhört und sie sodann in
Pension gehen, dass deren Augen durch das blendende Licht der Reflektoren,
namentlich beim Anzünden der Lampen in Anspruch genommen, so sehr
leiden, dass nur wenige im Alter sich eines guten Gesichtes erfreuen.
. . . mit wenigen Worten versteht der Verfasser, uns das Dasein der
Leuchtturmswächter auf der Höhe der Hauptinsel der Columbretes
zu zeichnen:
Eine labend
erfrischende Luft weht auf dem Rücken der Insel, wo keine Wand,
kein Ufer die Meeresbrise abhält. Sie bestreicht uns, von welcher
Seite sie immer kommen mag, frei von jedem Reflex, der von den sanftgrünen
Gesträuchen, welche die Höhen begleiten, gebrochen wird; denn
nur stellenweise auf dem Sattel der Sichel tritt der nackte Fels zum
Vorschein. Und wenn an kalten Wintertagen der Nordost tobt, der manchmal
sogar die Scheiben der Leuchtturmsfenster, welche keine Pfosten oder
Sommerläden nach aussen besitzen, einschlägt, so hat Columbretes
am Abhange, in der Nähe des Magazins doch eine geschützte
Stelle, wo ewig Frühjahr zu herrschen scheint und wo man im Freien
geschützt die Natur geniessen kann.

Ein eintöniges Leben mag es allerdings sein,
da oben auf der Höhe als Wächter des Leuchtturms. Der Verfasser
schildert uns schlicht und einfach nun die kleine bescheidenen Zerstreuung,
eigentlich das Hauptereignis in dem gleichförmigen Leben der Torreros
in einem lieblichen Bildchen, einem förmlich gemalten Stillleben.
Es ist die Ankunft und Abfahrt des Dampfers.
Da
werden sehnlichst erwartete Briefe empfangen", heisst es, "der
Proviant entgegengenommen und ein Jeder erhält die Gegenstände
seiner eignen Bestellung. Der Kapitän des Dampfers geht hinauf
zu den Torreros, trinkt bei ihnen eine Flasche Wein, spricht lange mit
allen zusammen, geht dann in jede einzelne Wohnung und nun kommen die
Frauen mit ihren Bestellungen. Da sind es Stoffe, welche für sie
und die Kinder ausgesucht werden, da Zwirn, Baumwolle oder Wolle, Wein,
Stockfisch und allerhand Kleinigkeiten für den Bedarf der Hausfrau,
da wiederum Mehl von der vorigen Sendung, welches nicht gleich guter
Qualität wie das frühere war und deshalb zurückgeschickt
wird. Inzwischen werden Briefe beantwortet, die meteorologischen Daten
in drei Exemplaren mit dem vom Torrero erster Klasse unterschriebenen
Berichte dem Chefingenieur zugeschickt und eine Liste der verlangten
Sachen zusammengestellt, die dem Kapitän übergeben wird, da
ein Jeder wieder seine eignen Bestellungen macht. Nach ein paar Stunden,
wenn alles dies fertig ist, steigt der Kapitän hinab, um wieder
nach Valencia zurückzukehren. Er verrichtet unfehlbar sein kurzes
Gebet vor der Mutter Gottes aus eingemauerten Azulejos in der Sala de
la Virgen in der Caserna, und alle Torreros begleiten ihn bis ans Ufer.
Das Schiff wird von der Boje losgemacht und nach dreimaligem Pfiff entfernt
sich schwerfällig der kleine Dampfer, von aller Augen gefolgt.
Mit Taschentüchern wird von den Frauen und Kindern dreimal von
der Terrasse gegrüsst oder, wenn die Abfahrt abends erfolgt, werden
auf die Terrassenmauer Lichter gesetzt, welche man dreimal hebt, sobald
sich das Schiff in Bewegung gesetzt hat. Dieser Gruss wird dann noch
einmal wiederholt, wenn der Dampfer um die Leuchtturmsspitze herumgefahren
ist und wieder auf der andren Seite unter den Abstürzen erscheint.
Der Dampfer pfeift von neuem und die Blicke folgen noch dem verschwindenden
Wölkchen am Horizonte oder dem allmählich in der Dunkelheit
sich verbergenden Lichte . . .

Erzherzog Ludwig Salvator erwähnt, dass einmal die Idee aufgetaucht
sei, auf Columbretes ein Seebad zu errichten. Die Insel sollte "ein
Helgoland des Mittelmeeres" werden, doch dürften wohl noch
Jahrzehnte hindurch die Leuchtturmswächter ihr Einsiedlerleben
auf dem kleinen Eilande ungestört weiterführen.
Die hübschen Federzeichnungen, deren wir schon
gedacht haben, sind willkommene Ergänzungen des instruktiven Textes
und tragen ihren Teil bei, dem Leser die ganze Insel-gruppe in allen
ihren Einzelheiten anschaulich vor Augen zu führen. Man empfindet
nach der Lektüre des Buches geradezu Sehnsucht nach jener Hauptinsel
der Columbretes und nach den anderen von Menschen nicht bewohnten stillen
Felseninseln, und man weiss dem Verfasser des Werkes warmen Dank dafür,
dass er uns jene bisher fremde kleine Welt gezeigt hat . . .
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