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Folio, mit chromolithographischen Tafeln, Tafeln in getönter Lithographie, lithographischen geologischen Karten, farbig lithographischen Wappen sowie zahlreichen Textholzschnitten.
| Bände |
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Seiten
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Erschienen |
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I
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Die alten Pityusen |
1. Buch: Ibiza, 2. Buch: Formentera
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309
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1869
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II
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Die eigentlichen Balearen |
I. Allgemeiner Teil
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665
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1871
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III
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Erste Hälfte |
3. Buch: Mallorca,
I. Allgemeiner Teil (Fortsetzung)
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931
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1880
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|
III
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Zweite Hälfte |
Die eigentlichen Balearen
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509 - 931
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1884
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IV
|
II. Spezieller Teil |
3. Buch:
Mallorca |
309
|
1882
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V
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Erste Hälfte. (IV.,
444 S.) |
3. Buch: Mallorca.
II. Spezieller Teil (Fortsetzung)
|
799
|
1884
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|
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|
|
V
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Zweite Hälfte |
Die eigentlichen Balearen |
445 - 799
|
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VI
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I. Teil: Allgemeines |
4. Buch: Menorca |
595
|
1890
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VII
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II. Teil:
Spezielles |
4. Buch: Menorca
|
463
|
1891
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Separatabdrucke aus dem Werke: Die Balearen
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|
Seiten
|
Erschienen |
| I. Allgemeiner Teil |
Die Insel Menorca
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595
|
1890
|
| II. Spezieller Teil |
Die Insel Menorca
|
563
|
1891
|
| |
Die Stadt Palma
|
309
|
1882
|
| spanische Ausgabe (Auszug) |
Las Baleares, 2 Bände
|
90
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1887
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Aus der Biografie von Leo Woerl mit Originalzitaten
aus dem Werk Salvators:
Ein Werk, wie grossartiger auf dem Gebiete der Länder-
und Völkerkunde zum mindesten seit Jahrzehnten keines erschien,
sind "Die Balearen in Wort und Bild". Eine Riesenleistung
und ein Prachtwerk zugleich in jeder Beziehung: sowohl in textlicher
und illustrativer Beziehung, als auch nach Wert und Fülle des gebotenen
Stoffes und an Schönheit der Form. Der Fleiss, mit dem der fürstliche
Schriftsteller alles auf die herrlichen Inseln Bezügliche zusammengestellt
hat, verdient in der That ebenso Anerkennung, wie das Feuer der Begeisterung,
mit welchem er die Naturschönheiten zu schildern versteht.
Die Inselgruppe, welche mit dem Namen Balearen bezeichnet wird, beschränkt
sich nicht allein auf die Inseln Mallorca und Menorca, sondern umfasst
auch die nur wenige Meilen davon entfernten Inseln Ibiza und Formentera,
welche von den Alten die Pityusen genannt wurden. Während im ersten
Bande die alten Pityusen, Ibiza und Formentera geschildert wurden, sind
nicht weniger als 4 Bände der Beschreibung der eigentlichen Balearen
und zwar speziell Mallorcas gewidmet, indes die beiden Schlussbände
die Insel Menorca behandeln. Um sich einen Begriff von der Fülle
und Gründlichkeit des Gebotenen zu machen, sei hier hervorgehoben,
dass der Erzherzog 22 Jahre hindurch das Material zu seinem Werke sammelte
und dass dasselbe vielfach Lokalquellen entstammt, welche vor ihm niemand
hat benutzen können. Wiederholt ist der Erzherzog zum Zweck erneuter
Forschungen nach den Balearen zurückgekehrt und hat längere
Zeit dort gelebt. Sein Urteil über Land und Leute ist daher reif
und wohlbegründet und in der Wissenschaft der Erdbeschreibung wird
der Name des Erzherzogs Ludwig Salvator dauernd mit den Balearen als
ihr geistiger Besieger ruhmreich verknüpft bleiben.
Denen,
welche die Inseln nicht kennen, sagt Erzherzog Ludwig Salvator im Vorwort,
"werden diese Blätter eine Vorstellung ihrer landschaftlichen
Reize geben; jenen, die sie durchwandert und die klare, durchsichtige
Luft ihrer Berge genossen haben, mögen sie willkommene Erinnerungsblätter
sein, wenn sie auch natürlich im Vergleich zur leuchtenden Wirklichkeit
nur wie ein blosser Schatten erscheinen.
Während aus der ehemals so überreichen spanischen
Krone ein Juwel nach dem andern herausgebrochen wird, ist diese Inselgruppe
durch ihre wunderbare Lage im Mittelländischen Meer und ihren natürlichen
Reichtum wie geschaffen, das Mutterland Spanien wenigstens einigermassen
über jene Verluste zu trösten, und vermöchte es noch
weit mehr zu trösten, wenn dasselbe sich entschliessen könnte,
die natürlichen Hilfsquellen dieser Inseljuwele auf rationellere
Weise als bisher auszunutzen.
Was
könnte", sagt Erzherzog Ludwig Salvator von der Hauptinsel
Mallorca, "hier durch feingebildeten Kunstsinn nicht alles geschaffen
werden bei den reichen, dort zu Gebote stehenden Mitteln; bei einem
Klima, das alle subtropischen Gewächse im Freien gedeihen lässt,
sodass Glashäuser eine ganz unbekannte Einrichtung sind, wo alles
in schwelgerischster Üppigkeit treibt. In welchen paradiesischen
Lusthain liessen sich nicht durch die Hand geschickter Gartenkünstler
Teile aus den wasserreichen Thälern von Deja, Soller und Lluch
verwandeln! Und selbst die waldbekleideten Bergesabhänge mit ihren
phantastischen Ufersäumen und die wilden natürlichen Felsenwände,
welche uralte Epheupflanzen umranken, liessen sich zu grossartigen Parkanlagen
verwenden, wenn man nur die schönsten Stellen zugänglich machen
würde!
Das Klima wird nicht mit Unrecht wegen seiner lieblichen
Temperatur und der Schönheit des Himmels mit dem südlichen
Italien verglichen. Die Milde desselben übst sogar einen höchst
günstigen Einfluss auf manche chronische Leiden und auf altersschwache
Leute aus.
Nachdem das Aufsuchen herrlicher Punkte förmlich zum Sport geworden
ist und der Kreis von Jahr zu Jahr weiter gezogen wird, welcher die
unzähligen Orte umschliesst, die von der Gesellschaft als Luftkurorte,
Mode- und Luxusbäder bevorzugt werden, bedarf es vielleicht nur
der Anregung des Erzherzogs, um die Erholungsbedürftigen auf diese
gottbegnadigten Eilande aufmerksam zu machen; selbst die wirklich Leidenden
finden auf Mallorca eine Heilstätte mit starker warmer Schwefelquelle.
Bei dem ausserordentlichen Komfort, den unsere Verkehrsmittel gewähren,
giebt es ja keine Entfernung mehr.
Obschon die einzelnen Inseln eigentlich nur einige Meilen entfernt voneinander
liegen, so haben sie doch manche Verschiedenheiten ihrer Physiognomien
aufzuweisen, was den Erzherzog veranlasste, jeder der genannten Inseln
einen allgemeinen Teil vorauszuschicken. Von jeder der Inseln werden
die geographischen und geognostischen Verhältnisse, Klima, Fauna
und Flora eingehend erörtert, die Kultur und Erträgnisfrage
des Bodens und des Waldes, Weinbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei, Schiffahrt
und Schiffbau, Industrie und Handel, das Verkehrswesen, Behörden
und Abgaben eingehend dargelegt. Die Bewohner führt uns der Erzherzog
mit ihren Trachten, Sitten und Gewohnheiten, ihrer Nahrung, Kleidung
vor; ihren gesellschaftlichen Vergnügungen, Spielen und Gebräuchen
bei Festlichkeiten wird besondere Beachtung geschenkt und wir erfahren
auch, was zur Pflege der Wissenschaften, des Unterrichts u. s. w. auf
den Balearen geschieht, sowie welche Litteratur und Zeitungen dort erscheinen.

Ibiza
Das Ebusus der Alten ist ein ziemlich gleichförmiges
Hügelland, aus dem sich durchweg meist sanft aufsteigende Kuppen
erheben und das grossartiger Naturscenerien entbehrt. Die Zahl der ackerbautreibenden
Bevölkerung ist die weit überwiegende.
Auf der 47 Meilen im Umkreis betragenden Insel giebt es ausser der Stadt
Ibiza nur drei Dörfer und um die Pfarrkirche vereinzelt gelegene
weisse Bauernhäuser mit plattem Dach und dem charakteristischen
Vordache aus Strandkiefernzweigen zum Schutz gegen die Sonnenstrahlen
und zuweilen eine von Rundbogen getragene Vorhalle.
Die Stadt Ibiza mit 7393 Einwohnern zerfällt in zwei Teile, in
die eigentliche Stadt und in die Marina am Fusse der Stadtmauer. Die
Lage der oberen Stadt im Angesicht des Hafens und des offenen Meeres
auf einem Hügel, umgeben von Festungsmauern, welche nur durch Thore
unterbrochen werden, ist ungemein malerisch. Den höchsten Punkt
bildet gewissermassen die Ibizianer Akropolis, die von dem fast festungsartigen
Chor der Domkirche und von dem Castillo mit Signalturm gekrönt
wird. Es war Karl V., welcher die Festungswerke herstellen liess, um
dieselbe gegen Überfälle der Barbaresken zu schützen.
Sie bilden ein Viereck mit sechs teils spitz-, teils stumpfwinkeligen
dreieckigen Bollwerken. Die engen Gassen der Stadt, terrassenförmig
übereinander getürmt, gehen streckenweise beträchtlich
bergab und bergauf. In buntem Gewirr stösst man auf plan- und regellos
angebrachte verwitterte, zuweilen maurische Rundbogen, die mit Fenstern
in gotischem Renaissance-Stil und mit alten Wappenschildern wunderlich
abwechseln und auf eine frühere, nun verblichene Blütezeit
hinweisen; die darauf herabschauenden Balkone gestalten die Umrisse
noch phantastischer.
Am Quai der Marina, welche sich an die Stadtmauer anlehnt und grösstenteils
von Fischern und Seeleuten bewohnt ist, legen die meisten Fischerbarken
an. Der Puerto im Nordosten der Stadt ist der schönste und sicherste
Hafen Ibizas und bildet eine vortreffliche Zufluchtsstätte. Da
er indessen nicht auf dem Wege der kursnehmenden Schiffe liegt, so wird
er selten von grossen Kauffahrteischiffen aufgesucht, sondern gewöhnlich
nur von solchen, die ihren Ballast mit Salinensalz vertauschen.
Das tägliche einförmige Legen der Stadtbewohner erfährt
eine reizende Schilderung, aus der wir folgende Stelle herausheben:
Wenn
die Sonne sich neigt, dann kommt neues Leben in die Stadt, die Strassen
bevölkern sich und am Hafen wird es lebendiger. Einige unternehmen
Wasserfahrten und lavieren mit den spitzen lateinischen Segeln der Faluchos
hin und her, andere stellen mit der Angelfischerei ihre Geduld auf die
Probe. Wenn der Tag kühler zu werden beginnt, wird mit Vorliebe
gebadet. Die jungen Leute begeben sich an den Fuss der dem offenen Meere
zugekehrten Seite des Hügels von Ibiza, wo die Natur selbst ein
Becken geschaffen hat, das die vorstehenden Klippen gegen die starke
Brandung schützen, und die feuchten Wände des Felsens beschatten
die krystallhelle spiegelglatte Meeresfläche. Fürwahr, ein
zum Baden mehr einladender Platz lässt sich kaum denken. Bisweilen
baden auch Mädchen daselbst, deren herrliche Gestalten bald wie
aus Elfenbein geformte Statuen auf dem dunklen Hintergrunde der Uferfelsen
erscheinen, bald spurlos in den lichtausstrahlenden Fluten versinken.
Man wird bei diesem Anblick unwillkürlich an die phantastischen
Sagen von Meeresjungfrauen und Wassernixen erinnert.
Der Erzherzog beschreibt die ibizianer Bauern
als ein fröhliches, gutmütiges Völkchen, und trotz ihrer
Unwissenheit ist ihnen eine angeborene Gefälligkeit eigen. Die
schöne Sitte der Gastfreundschaft besitzen sie in gleichem Masse
wie die anderen Bewohner der Balearen. Sie sind arbeitsam und in ihrem
Grusse liegt etwas Zartes, Feines. Nicht umsonst fühlen sich die
Ibizianer zu einem Volke gehörig, welches das stolze genannt wird,
nämlich zu den Spaniern. Bei allen findet sich dieses Selbstgefühl
in hohem Masse ausgeprägt und es ist keine Frage, dass dies auch
auf andere einen bedeutenden Eindruck nicht verfehlt. Bezeichnend schreibt
der Erzherzog:
Ich
erinnere mich, wie ein Bauer, der mich auf einigen Ausflügen begleitete,
sich über die ihm gereichte Kost beklagte und äusserte: ,Obwohl
ich nur gering, halte ich mich doch für so viel wie Sie.' Dieser
Ausspruch gefiel mir so, dass ich mir von einer Bauersfrau einen Hahn
kaufte, und mein unbescheidener Begleiter hatte davon am Abend ein reichliches
Mahl.
Gesang und Tanz sind bei dem heiteren Sinn der Ibizianer
die Hauptvergnügungen, namentlich auf dem Lande. Man tanzt bei
den süssen Klängen der Flöte und dem lauten Schall der
Castagnetten am Abend nach gethaner Arbeit, auf dem Felde nach der Siesta,
natürlich auch beim Erntefest und bei allen Familienfestlichkeiten.
Bei Heiraten haben sie eine eigentümliche Sitte. Nach der Trauung
in der Kirche, der die Verwandten und Freunde beiwohnen, kehren sowohl
der Bräutigam als auch die Braut in das elterliche Haus zurück
und hier leben sie noch mehrere Monate, zuweilen ein halbes Jahr, gänzlich
voneinander getrennt, und erst dann wird die eigentliche Hochzeit mit
einem Festessen gefeiert.
Die Fischer Ibizas bilden in ihrem Typus, ihrer Kleidung und ihren Sitten
eine ganz verschiedene Kaste gegenüber dem Landvolk. Ihre Faluchos,
welche den gewöhnlichen Feluken des östlichen Mittelmeeres
gleichen, fahren lediglich mittels der Segel; die Ruder, welche man
an Bord hat, werden nur zum Wenden oder als Beihilfe der Segelkraft
bei nachgelassenem Wind benutzt. Der lärmende Tanz, die Musik und
der Gesang der Bauern wird von den Fischern verschmäht, sie singen
ihre Lieder nach Art der Spanier in einem sanften, höchst melancholischen
Tone.
Häufig
sieht man zur Nachtzeit in einer einsamen Cala, an derem Ufer in gleichförmigem
Takte die Wogen zerschellen, wenn keine Menschenstimme die Todesstille
der Natur unterbricht und nicht einmal das Pfeifen eines Vogels ertönt,
einige Fischer herabsteigen. Wenn sie dann, vom grellen Schein ihrer
aus Strandkiefernzweigen gebildeten Fackel beleuchtet, von Fels zu Fels
klettern und bald darauf wieder plötzlich in völliger Dunkelheit
verschwinden, so glaubt man unheimliche phantastische Gespenster vor
sich zu haben, von denen bald hier bald da eins auftaucht und verschwindet,
um dann wieder an einer andern Stelle zu erscheinen. Zuletzt verlassen
die Fischer mit ihrem Boote das Ufer, und es währt nicht lange,
so nimmt sich dies mit den brennenden Fackeln nur noch wie ein leuchtender
Funke in der Ferne aus. In der öden Cala ist es nun noch einsamer
und verlassener als je.
Die Salinen auf Ibiza gehören zu den vorzüglichsten,
die es an Qualität des Salzes überhaupt giebt, und nehmen
einen Flächenraum von 6 englischen Quadratmeilen ein. Es sind dies
sumpfige Vertiefungen, in welchem sich während der Regenzeit das
Wasser sammelt, das sich sodann mit den in den unteren Lehmschichten
liegenden Salzen sättigt. Infolge der glühenden Sonnenhitze
verdunstet im Sommer das Wasser und auf der Oberfläche bildet sich
eine Salzkruste, welche, nachdem die Beete mittels Schaufelrädern
trocken gelegt wurden, eingesammelt wird. Die gesamte Sumpffläche
ist durch niedere Dämme in dreizehn Felder geteilt, zwischen denen
Wege laufen, um die Herausbeförderung des Salzes zu ermöglichen.
Die Salinen stehen unter einem königlichen Direktor und liefern
eine Rente von 4 531 502 Realen.
Die Hauptprodukte der Bodenkultur sind das Öl, das Johannisbrot,
die Mandeln, das Getreide, die Baumwolle und auch zum Teil der Wein.
Das Erträgnis könnte ein viel besseres sein, wenn die Bewässerung
eine reichlichere wäre; es mangelt an Kanälen und die wenigen
Norias oder Brunnen auf der Insel kommen für die Landwirtschaft
nicht in Betracht. Von sehr primitiver Art sind noch ihre landwirtschaftlichen
Geräte. Die Ölbereitung z. B. geschieht noch nach alter arabischer
Weise. Eines der Haupterträgnisse der Insel liefern ihre Waldungen,
welche vorzugsweise aus Strandkiefern bestehen und von besonderer Bedeutung
sind.
Wenn
die Flora des Inneren von Ibiza den Stempel der Dürre zeigt, so
sind dagegen die Küsten der Insel überaus reich an einer unterseeischen
Vegetation, welche in unglaublicher Fülle die zwischen den zerklüfteten
Klippen verborgenen Gänge überwuchert. Tange und unzählige
niedere Seetiere vereinigen sich zu einem fesselnden Bilde. Dort vermählt
sich das pflanzliche Leben mit dem tierischen in ganz allmählich
abgestuften Übergängen. Insbesondere an den Stellen, wo grosse
vortretende Klippen oder Felsenwände die anprallenden Wogen zurückhalten
und dadurch geheimnisvolle spiegelglatte Wasserbecken bilden, ist der
unterseeische Wuchs von grosser Üppigkeit. Alles keimt und sprosst
in urwüchsiger Natur. Da erblickt man Seetange vielästig und
reichverstrickt, teils bandförmige und tiefgrüne, teils saftgrüne
und rosenfarbige von solcher Zartheit, dass sie einem Nebelwölkchen
gleichen, alle in buntesten Reihen untereinander verschlungen, beständig
von den Wellen sanft gewiegt und wohl kaum jemals von Kiele eines Kahnes
berührt. Inmitten dieser Pflanzenfülle ist das tierische Leben
besonders rege und in seiner ruhigen Entwicklung zu beobachten. Jede
von den sich hebenden Fluten entblösste Klippe, deren vielfach
zerfressenen, vom Schaum umkränzten Rücken Algen umranken,
bietet den verschiedensten Tieren einen Aufenthalt. Einige Familien
leben in Eintracht, andere dagegen machen sich in kriegerischem Zwiste
ihre dunklen Schlupfwinkel streitig. Stehen die Wogen ein wenig still,
so ist dem Auge gestattet, diese Märchenwelt zu durchspähen.
Man sieht das Hervorsprudeln des Wassers aus den Tausenden von Öffnungen
der Spongien, die in dichten Kolonien den Boden und die Felsenwände
bekleiden, das wunderbare Entfalten der buntfarbigen Aktinien mit ihrem
blumenartigen Tentakelkranz und die kaum bemerkbaren Regungen von einer
Menge Polypen und höheren Strahlentieren. Hier bewegt eine Ophiure
ihre geringelten, einem Eidechsenschwanz gleichenden Arme in schlangenähnlichen
Windungen; dort schleppt sich mühsam auf seinen Hunderten von Füsschen
ein orangeroter Asteracanthion fort und plumpe Seeigel verkriechen sich
in den schattenreichen, von Algenbüschen überwachsenen Felsenspalten.
Mit wahrem Wohlbehagen öffnen die in den Klippen aufgewachsenen,
krustigen Austern und zarten Venusmuscheln ihre Schalen, schliessen
sie aber plötzlich wieder zusammen, sowie ein durchsichtiger, schlanker
Palaemonkrebs an ihnen vorüberschwimmt oder wenn sie von einem
stärkeren Wellenstosse erschüttert werden. Eine kleine Chiton-Art
und zahlreiche Patella plicata schmiegen sich dem Felsen an und blicken
nur scheu unter ihrem krustigen Rücken in die geräuschvolle
Aussenwelt hinaus.
Und das Alles findet statt im Feenspiegel des tiefblauen Meeres, der
die Gegenstände in unbestimmbarer Entfernung, bald näher,
bald ferner erscheinen lässt, indem die durchsichtige Klarheit
des Wassers selbst den geübtesten Blick täuscht. Ein unaussprechlicher
Zauber weht einem aus dem Meere entgegen, man möchte sich in die
Wogen stürzen, um in ihrem wonnigen Schosse den unergründlichen
Reiz zu fassen.
Wohin man sich wendet, überall ist ein beständiges Gehen und
Kommen, ein Springen und Durcheinanderwogen, sodass man förmlich
verwirrt wird und nicht weiss, nach welcher Seite hin man zuerst blicken
soll.
Die eigentlichen Beherrscher dieser maritimen Wunderwelt sind aber die
Krabben, gleichvertraut mit dem Strande wie mit dem feuchten Elemente.
Sie tummeln sich nicht bloss gewandt in den Höhlungen der Tiefe
und zwischen den grünen Irrgängen des Seetanges umher, sondern
sie klettern auch, kühner als ihre Mitbewohner, zu den sonnigen
Höhen der Klippen empor. Hier sitzen sie längere Zeit mit
stillem Behagen, klappen ihre Kieferpaare auf und zu und richten ihre
gestielten Augen bald in die Höhe, bald in die Tiefe hinab; dann
gehen sie bis an den Rand des Wasserspiegels, steigen aber bald wieder
hinauf, um sich noch länger an der kühlenden Brise zu laben.
Beim leichtesten Geräusch lassen sie sich jedoch sofort, wie wenn
sie tot wären, fallen und stürzen mit starkem Geplätscher
in ihre eigentliche Heimat hinab. Höchst zierliche kleine Krabben,
die Porcellana platycheles, sitzen in den Spalten der Felsen, und auch
Squillen und Palinuren hausen in dem dortigen Meere; aber sie sind nicht
so keck wie die possierlichen Krabben und wagen sich nie so nahe an
die Küste; sie bewohnen die unergründlichen, schattigen Tiefen,
die nur schwach durch das blaue Wasser emporschimmern.
Nach einer Aufzählung der im dortigen Meere
vorkommenden Arten von Fischen fährt der Erzherzog fort:
Ausserdem
leben um Ibiza eine Fülle kleinerer Arten, welche diese Insel meistens
mit den spanischen Küsten und dem Mittelmeere überhaupt gemein
hat. Sie zeigen die mannigfaltigsten Gestalten und Farben; einige funkeln
wie Stahl, andere glänzen wie Gold, und wieder andere vereinigen
alle Farben des Regenbogens. Viele hausen in den Tiefen, andere längs
der Küste zwischen Klippen und deren Höhlungen, doch bekommt
man sie nur wenig zu Gesicht. Erst am Nachmittage, wenn die Sonne im
Sinken begriffen ist, und die spiegelglatten Fluten in Gold und Purpur
erglänzen, sieht man das muntere Heer der Sardellen seine lebensfrohen
Luftsprünge ausführen, die fast den Anblick eines Sternschnuppenfalls
gewähren. Von Zeit zu Zeit nehmen auch grössere Fische, sei
es um frische Luft zu schnappen oder um den Nachstellungen ihrer Feinde
zu entgehen, an diesem phantastischen Treiben teil, indem sie in wilden
Sätzen über die Wogen dahinschiessen. Aber nicht nur der Tag,
sondern auch die warmen Nächte des Südens werden auf das Wundervollste
durch das verborgene, reiche Tierleben im Wasser erhellt. Das Meeresleuchten,
welches an den nordischen Gestaden zu den selteneren Erscheinungen gehört,
ist an den Ufern Ibizas etwas ganz Alltägliches. Ich habe keine
mondlose oder auch nur leicht bewölkte Nacht erlebt, wo ich dieses
Phänomen nicht in seiner vollsten Pracht beobachtet hätte.
Bei jedem Ruderschlage oder in der Nähe eines Riffes sprühen
eine Menge Funken umher, von denen ein mildes phosphorisches Licht sich
verbreitet, welches das Wasser flammenähnlich erscheinen lässt.
Dieses Leuchten verschwindet aber augenblicklich, sobald Ruhe eintritt.
Die ursprünglichen Funken, die ich für das Tierchen der Noctiluca
selbst halte, welches bekanntlich im Süden zumeist das Meeresleuchten
hervorbringt, glänzen dagegen noch für einige Sekunden. Daher
kommt es, dass die vom Kiele eines Kahnes geteilten Wogen noch lange
hinter demselben eine allmählich erlöschende Flammenstrasse
erzeugen. Ja, schon eine leichte blosse Kräuselung des Wasserspiegels
ruft ein so starkes Phosphorescieren hervor, dass die dunkle Oberfläche
des Meeres mit einer Anzahl bald verschwindender, bald wiederkehrender
Bogen besäet erscheint. Einstmals, als in stiller Nachtzeit das
Boot wie müde von andauernder Windstille ächzend auf - und
niederschwankte, hörte ich einen Fischer die folgenden Verse eines
südspanischen Liedes singen: Seria mejor no haber nacida que haber
sufrido tanto penar (Besser wäre es, nie geboren zu sein, als so
viel gelitten zu haben). Wie tief drangen diese inmitten der erhabenen
Ruhe der Natur ausgesprochenen Worte in meine Seele. Der Mensch bleibt
überall derselbe, mag er seine Heimat auf der einsamen Fischerbarke
oder im goldgeschmückten Palaste haben.

Formentera.
Diese kleinste der Inseln hat nur 26 Meilen im Umfange, ist langgedehnt,
flach und plateauartig, ohne eigentliche Ortschaften; es giebt nur drei
einzeln stehende, festungsartige Pfarrkirchen mit anstossendem Pfarrhaus
und in der Nähe noch ein paar Bauernhäuser. Die interessanteste
Gegend ist der nordwestliche Winkel, in welchem die Sümpfe liegen,
welche zum Teil in Salinen verwandelt worden sind und ausgebeutet werden.
Zwischen Formentera und Ibiza liegen sieben Klippeninseln. Sie bilden
die Frejos oder Meerengen, eine sehr wichtige Strasse für die von
Spanien nach Ibiza fahrenden Schiffe.

Mallorca.
Die ansehnlichste der Baleareninseln, Mallorca,
ist gross genug, dass sie in alten Zeiten ein kleines Königreich
bilden konnte. Sie hat einen Flächeninhalt von 3391 qkm, während
ihr Umkreis etwa 265 km, genau 143 Seemeilen, ergiebt, und zählte
i. J. 1870 209 064 Einwohner. Während der südöstliche
Teil eine Ebene bildet, steigt im Westen eine ansehnliche Gebirgskette
von malerischen zackigen Bergspitzen empor, deren bedeutendste Höhe
die Silla de Torrellas, welche sich 1570 m über das Meer erhebt,
den Hauptknotenpunkt der Sierra bildet. Zwischen den verschiedenen Zügen
der wasserreichen Sierra finden sich zahlreiche Thäler, die sich
teils gegen das Meer öffnen, teils von Bergen umschlossen sind,
teils bilden sich beckenartige Einsattelungen mitten zwischen den Bergspitzen.
Die Insel ist gleich allen Baleareninseln vulkanischen Ursprungs; in
ihrem Eruptivgestein findet man Kupferlager, Bleiglanz und Kalkeisenstein,
genügend, um Bergwerke in Betrieb zu erhalten. Die Hauptmasse bildet
das Kalksteingebirge, das in seiner sekundären Gebirgsart reiche
Versteinerungen von Tierformen enthält. Die höchsten Regionen
liefern eine Reihe schöner Marmorarten.
Die Salinen in der Ebene, welche in gleicher
Weise bearbeitet werden wie jene Ibizas, geben jährlich eine Ausbeute
von 1 221 000 kg guten Salzes.
Die Flora, welche auf allen Baleareninseln im allgemeinen dieselbe ist,
zeigt hier eine grössere Zahl und Mannigfaltigkeit. In der Sierra
bilden die Strandkiefern und immergrünen Eichenwälder, die
noch 800 m hoch vorkommen, den Hauptbestandteil der Wälder. Die
grauen Ölbäume, darunter mehrere Jahrhundert alte Riesenexemplare,
steigen bis zu einer Höhe von 500 m mit ihren mattgrünen Kronen
empor. Pinien und Johannisbrotbäume wechseln ab, und wo der Boden
weniger steinig ist, schmiegen sich saftige Reben an die Hügel.
Waldartige Anpflanzungen von Orangen- und Zitronenbäumen, auch
Quitten- und Nussbäume, sowie verschiedene Fruchtbäume beleben
überall das Landschaftsbild.
Steigt man die steilen Abhänge der Sierra so hoch hinauf, bis allmählich
die Ölbäume verschwinden und die Kultur aufhört, so stösst
man auf die in grösster Üppigkeit aufgeschossenen Dickichte
Mastixsträucher; blühende Myrtenhaine würzen die balsamische
Meeresluft und mit ihrem tiefen Grün vermischt sich das lichtere
des Buchsbaumes und des Kirschlorbeer; zuweilen ragt eine Fächerpalme
empor, die man noch in einer Höhe von 700 m antrifft.
In der Ebene sind die Feigen-, Orangen- und Mandelbaumpflanzungen vorherrschend,
während weite Strecken der Kultur der Cerealien, der Baumwolle
und der Rebe gewidmet sind.
Es
ist eine bekannte Thatsache", berichtet Erzherzog Ludwig Salvator,
"dass an Küsten von Inseln der Reichtum an Fischen stets ein
viel grösserer zu sein pflegt, als an den Ufern des Festlandes.
Auch viele Hochseeformen nähern sich leichter demselben und die
geringe Entfernung der afrikanischen Küste führt der mallorquinischen
Fauna einen Zuschuss an Formen zu, die sich in das östliche Mittelmeer
nicht verirren.
Die Klasse der Vögel ist auf der Insel im Verhältnis
zu ihrer Ausdehnung ziemlich zahlreich vertreten und zwar nicht bloss
durch eine grosse Menge von Individuen, sondern auch durch sehr verschiedene
Arten, deren auf Mallorca bisher 218 beobachtet wurden. Von diesen halten
sich 111 Arten das ganze Jahr auf der Insel auf, während 107 dieselbe
bloss auf ihren Wanderungen besuchen oder nur ausnahmsweise von den
Stürmen an die dortige Küste geworfen werden.
"Hoch in den Lüften, um die Felsenspitzen der Sierra kreist
stolz der Königsadler und in weitem Bogen sieht man Geier die dortigen
Höhen umschweben, in ihrer Gesellschaft die Milane, welche in gewandtem
Fluge umherschwirren."
In
den Orangenwäldern begegnet man unseren einheimischen Singvögeln,
wie Nachtigall, Amsel, Schwarzblättchen u.s.w. Die Wachteln hausen
das ganze Jahr in den Saaten; auf den öden Strandufern trifft man
die verschiedenen Arten der Stelzvögel; von den eigentlichen Wasservögeln
findet man das Wasserhuhn und in den Höhlen der Meeresküste
hausen die dunkelfarbigen Kormorane, die Luft mit ihrem Geschnatter
erfüllend. Möven in sechs Arten und Sturmvögel sind die
Beherrscher der See. Wenn der Sturm wütet und die Wogen schäumen,
stürzen sie sich kreischend in die tobenden Fluten und führen
mit den Delphinen phantastische Tänze auf.
Charakteristisch
für die Mallorquiner wie für alle Bewohner der Balearen ist
aber ihre Gastfreundschaft, sowohl in den höheren Ständen
als bei den Bauern. Jeder Fremde ist ein willkommener Gast, den sie
mit Aufmerksamkeiten überhäufen, und wenn er wollte, könnte
er die ganze Insel durchwandern, ohne nötig zu haben, in einem
Gasthause einzukehren, denn in jedem Hause, mag er nun an die Thür
des luxuriösesten Landsitzes eines spanischen Granden, oder an
die Hütte des armen Bauern der Sierra anklopfen, überall würde
er herzliche Aufnahme und eine gastliche Herberge finden.
In sittlicher Beziehung ist Mallorca eine der beachtenswertesten
Gegenden Spaniens. Die Zahl der Verbrecher ist unverhältnismässig
gering, und der Umstand, dass Reisende bei Tag und bei Nacht auf einsamen
Pfaden und bei dunkler Nacht völlig sorglos reisen können,
ist der sprechendste Beweis für die dortige Sicherheit.
Frei von aller Künstelei geben sich die Mallorquiner in natürlicher
und naiver Offenherzigkeit, ohne Reflexion, ohne Berechnung. Das ist
ein wesentlicher Zug, der die Bewohner überhaupt und namentlich
die weibliche Jugend ziert. Erzherzog Ludwig Salvator erfreut uns mit
einem geradezu entzückenden Beleg solch mädchenhafter Unbefangenheit.
"Ich erinnere mich noch", so erzählt er, "wie mir
ein Mädchen eröffnete, es wolle ins Kloster gehen, denn sie
liebe das zurückgezogene Leben und es wäre überhaupt
besser, sich ganz dem Dienste Gotte zu widmen. ,Sie sind so gut, die
Nonnen', fuhr sie lachend fort, während ihr kleines, von einem
weissen mallorquinischen Schleier umrahmtes Gesicht einen wahrhaft klösterlich
milden und engelhaft reinen Ausdruck annahm. ,Ja, eines von beiden wünschte
ich, entweder im Kloster oder in Barcelona zu sein, das sind die Orte
meiner Sehnsucht'. ,Und warum denn in Barcelona?' ,Weil dort viele -
Soldaten sind', antwortete ganz offen das naive Kind, aus dessen kleinem
Herzen die Liebe zur Heimat von einer andern Liebe verdrängt zu
sein schien."
Die Bevölkerung, an der Hand ihrer herrlichen
Natur tüchtig und lebenskräftig erhalten, nutzt den unerschöpflichen
Reichtum ihres Landes so weit aus, wie die mangelhafte Verwaltung und
der allmächtige Einfluss der Geistlichkeit dieses gestatten. Ihre
kräftige, durch das Klima begünstigte Konstitution, welche
die Erreichung eines ungewöhnlich hohen Lebensalters zu keiner
Seltenheit macht, ihre Genügsamkeit, ihre Liebe zur Arbeit, lässt
die Insulaner ebenso geeignet für den Ackerbau wie für das
Handwerk erscheinen. Auch besitzen sie natürliche Anlagen zur Musik,
Malerei und Dichtkunst. Kein Wunder, dass sich die Anhänglichkeit
an ihre schöne Heimat viel lebhafter bei den Insulanern geltend
macht als bei den Bewohnern des Festlandes. Sie betrachten dieselbe
als das Beste und Schönste, was es auf der Welt geben könne,
und kennen keinen grösseren Schmerz, als von derselben für
längere Zeit, wie z.B. bei der Konskription, getrennt zu sein.
Freilich ist diese Liebe zum heimischen Grund und Boden sehr begreiflich
bei einem Volke, dem dieser Boden alle Mittel des Lebensunterhaltes
in so überströmender Fülle liefert wie die balearischen
Inseln.
Die kastilianische Sprache ist die obligatorische bei allen Behörden,
wie in den Schulen, sie ist allen gebildeten Personen geläufig,
dagegen bildet die mallorquinische auf der ganzen Insel noch die Sprache
des Volkes, der Liebe und der Familie und wird von mehr als fünf
Sechsteln der Bevölkerung ausschliesslich gesprochen. Sie bildet
einen Zweig der katalonischen, welche von der Insel, auf der sie sich
entwickelte, ihren Namen erhielt.
Die Litteratur Mallorcas hat vorzugsweise eine Vergangenheit, welche
bis in das 14. Jahrhundert zurückreicht und kann sich bedeutender
Schriftsteller rühmen. Der Erzherzog hat sich ein grosses Verdienst
erworben, dass er die schönsten Dichtungen in mallorquinischer
Sprache, sowie in das Deutsche übersetzt, seinem Werke einverleibte.
In diesen Gedichten klingen alle Saiten des Charakters dieser Inselbewohner:
Milde und Offenheit, Güte und Herzlichkeit, das Mitgefühl
mit fremdem Leid, Treue und Freundschaft, und vor allem die Liebe zur
Heimat, zu Gatte und Kind, welche sich zuweilen im Übermass, doch
immer in poetisch ergreifenden Tönen äussert.
Ein bedeutender Schriftsteller und Dichter im 13.
Jahrhundert, dessen Werke weit über die Grenzen seines Vaterlandes
berühmt wurden und noch heute gelesen werden, war Ramon Lull,
der die katalonische Sprache besonders pflegte. Die Dichter des 16.
und 17. Jahrhunderts, unter diesen hervorragend Francesch Aulesa, schrieben
das Mallorquinische, wie es heutzutage gesprochen wird, ebenso verfahren
auch die meisten der noch lebenden Dichter.
Unter den ausgezeichneten Dichtern der Neuzeit seien Aguilò y
Forteza und die geistreiche und gemütvolle Schriftstellerin Fräulein
Manuela Herreros y Sorá rühmend hervorgehoben.
In den Gedichten der genialen Gattin des gleichfalls bedeutenden Miguel
Victoriano Amer ertönen alle Saiten des Charakters dieser Inselbewohner.
So singt die genannte Verfasserin zahlreicher religiöser und lyrischer
Gedichte in dem Liede an ihre verstorbene Tochter:
Wer
hätte mir gesagt, mein Töchterchen,
Leben meines Lebens,
Dass du meine Arme verlassen
Und zum Himmel aufsteigen möchtest!
Wer
hätte mir gesagt, mein Töchterlein,
dass ohne dich die Welt sich verwandeln würde
In eine enges Gefängnis,
In dem ich gefangen bliebe?
So klagt sie in rührenden Akkorden über
den Verlust der in zarter Jugendblüte dahin Gewelkten, um dann
der Sehnsucht nach dem über alles geliebten, verklärten Teil
ihres eigenen Selbst wehmütigen Ausdruck zu geben. Sie möchte
die blaue Wolke des Himmels, der kleine weltentfernte Stern, der Wohlgeruch
der Blumen, die Harmonie der Töne sein, um der auf ewig Entschlafenen
sich nähern zu können:
Wäre
ich der Schutzengel,
Der dir Gesellschaft leistete!
Wäre ich die erlöste Seele
Und nicht die gefangene Seele!
Vögelein,
flieget, flieget,
Flieget und leget einen langen Weg zurück,
Und wenn ihr sehr hoch hinaufgelangt seid,
Werdet ihr eine grosse Melodie hören
Es
sind die Engelein, die
In der Gegenwart Gottes singen.
Vögelein, eilet, eilet,
Ich möchte euch hinaufbekleiten.
Aber es fehlen der über Raum und Zeit sich hinwegsetzenden
Sehnsucht des Mutterherzens die Flügel und so bittet die Dichterin
die Vögelein, dass sie ihre Sendboten seien und zu ihrem Töchterchen
sich emporschwingen möchten:
Saget
ihr, dass sie für mich bete
Und dass sie mir einen Platz aufhebe,
denn sie ist die erlöste Seele
Und ich bin die gefangene Seele.
Welch zartes und dabei tiefes Empfinden, welch schlichter
aber gerade darum ergreifender Naturlaut schmerzbewegter Mutterliebe,
welch himmelstürmendes Klagen und doch welch taktvoll frommes Masshalten.
Fürwahr, dieses Gedicht kann sich mit den besten der modernen Frauenlitteratur
messen.
Ein andrer mallorquinischer Dichter - wir müssen
uns hier auf diese beiden beschränken -, Thomals Forteza, hat sich
durch das schöne Lobgedicht auf die geliebte Heimat, das paradiesische
Mallorca, für immer in das Herz seiner Landsleute gesungen. Dasselbe
beginnt mit der malerischen Strophe:
Wenn die Wipfel
der hohen Gebirge
Vom Schnee erglänzen,
Sind auch die Ebenen in Weiss gekleidet
Von den Blüten des Mandelbaumes.
Fällt die Blüte auf den rasen, Welcher unter den Bäumen
sprosst,
So prangt die grünende
Und mit Silberkörnchen bestreute Erde
In einem herrlichen Mantel
Von Hoffnung und Reinheit
Ein schönes Land ist Mallorca,
Denn Mallorca ist ein reicher Garten.
In der Bildung steht Mallorca der Nachbarinsel Ibiza
entschieden voran und von Jahr zu Jahr vermindert sich die Zahl derjenigen,
welche keinen Unterricht in Lesen und Schreiben genossen haben. Die
Zahl der Elementarschulen, sowohl öffentlicher wie Privatschulen,
vermehrt sich zusehends und betrug 1870 bereits 282; ausserdem besitzt
die Hauptstadt Palma das Instituto Balear für die sogenannten Humanitätsstudien,
Philosophie mit inbegriffen, sowie in Verbindung mit diesem eine Schule
für Ausbildung von Seeleuten und eine solche zur Heranbildung von
Schullehrern. Segensreich wirken verschiedene Gesellschaften, welche
sich sowohl in Förderung von Litteratur und Kunst als auch um die
Fortschritte in Ackerbau und Industrie grosse Verdienste erworben haben,
sowie auch die auf Mallorca erscheinenden vier Zeitungen ein mächtiges
Förderungsmittel zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse sind.
Sehr interessant ist die eingehende Beschreibung der
religiösen sowohl, wie der Volksfestlichkeiten mit den eigentümlichen
Gebräuchen und Sitten, welche sich bei dem abgeschlossenen Inselvolke
während Jahrhunderten herausgebildet und bis in die neueste Zeit
erhalten haben. Die katholischen Kirchenfeste geben Veranlassung zu
Prozessionen, bei denen eine grosse Pracht entfaltet wird. Viele Wallfahrtsorte
stehen seit uralten Zeiten in hohem Ansehen, sodass der Weg dahin stets
mit Pilgernden bedeckt ist.
Häufig sieht man, dass die Mannschaft eines Schiffes, die aus grosser
Sturmesgefahr errettet wurde, in Prozession vom Hafen zur Kirche zieht,
um ihren Dank darzubringen und daselbst ein Segel ihres Schiffes niederzulegen,
welches von der betreffenden Mannschaft getragen und später wieder
ausgelöst wird.
Einige Feste verdanken einem geschichtlichen Moment ihren Ursprung.
Das grösste dieser Feste wird in Soller gefeiert zur Erinnerung
an die tapfere Verteidigung der Ortsbewohner gegen einen räuberischen
Überfall der Mauren im Jahre 1561. Es wird ein Scheingefecht im
Hafen veranstaltet, von den beiden Corps ist das eine in Landestracht,
das andre nach Art der Mauren gekleidet; Gewehrsalven werden abgegeben,
bis die Bauern Sieger bleiben und die Mauren als Gefangene nach der
Ortschaft führen.
Unter den Volksfestlichkeiten eigentümlichster
Art und reich an Maskerade heben wir die religiös-populäre
Feierlichkeit in Alaró am Feste Mariä Himmelfahrt hervor,
bei der eine Gesellschaft von Tänzern eine Hauptrolle spielt. Diese
besteht aus sechs weissgekleideten und phantastisch mit bunten Bändern
aufgeputzten Männern, die Mützen mit Blumenbouquets tragen,
und aus einem Knaben in Frauenkleidern, mit Taschentuch und Fächer
in der Hand, der die Dama genannt wird. Hinzu kommen noch zwei als Teufel
gekleidete Männer. Diese Gesellschaft begleitet bei der von der
Kirche ausgehenden Prozession die Statue der heiligen Jungfrau. Einer
der Teufel eröffnet den Zug, der andre folgt nach. Alle machen
nach je drei Schritten zur gleichen Zeit einen kleinen Sprung. Die Teufel,
mit dem Blütenschaft einer Agave bewaffnet, springen fortwährend
umher und verrenken den Körper zum allgemeinen Ergötzen. Zum
Zuge gehören noch einige Musiker mit der Chermias, dem Tamburino
und dem Fabiol. Am folgenden Tage spielen die Cosiers oder Tänzer
bei der kirchlichen Feier eine Rolle und nach Beendigung derselben begeben
sie sich tanzend zur Kirche hinaus zu dem Platze der Menschen- und Tierwettrennen,
wo sie sich an dem ersteren beteiligen und später an dem allgemeinen
Volksball teilnehmen.
Die folgenden Kapitel besprechen eingehend die malerische Tracht der
Mallorquiner, ihre Wohnungen Hausgeräte, die Speisen und deren
Zubereitung, die Gebräuche bei Besuchen, Begrüssungen, die
Lebensweise in den Ortschaften, die Tanzunterhaltungen und Volksspiele.
Die den Spaniern unentbehrliche Hahnenkämpfe
und Stiergefechte haben sich auch auf Mallorca eingebürgert, die
hierzu verwendeten Stiere werden vom Festlande herübergebracht
und von spanischen Toreros vorgeführt.
Ohne eine vorzügliche Vorbildung und Beherrschung der Sprache (über
deren Dialekte wir beachtenswerte Mitteilungen empfangen), war die Schaffung
des volkstümlichen Teiles des Werkes nicht möglich, welcher
durch die mitgeteilten höchst primitiven Anschauungen, Verhältnisse,
Sitten und Geräte ein wichtiges ethnographisches Vergleichsmittel
bei der Beuteilung urtümlicher Volkszustände wird. Die Hausküchen
und Ackergeräte (Dreschschlitten), Gefässe, Tierfallen, Fischereigeräte,
die Art der Öl- und Weingewinnung weisen einen sehr altertümlichen
Charakter auf. Manche Fahrzeuge, die Wasserschöpfmaschinen "Norias"
und vieles sonst reichen sicher zurück in maurische Zeiten. Der
Pflug ist noch der ursprünglichste Haken. Musikinstrument ist noch
die Pansflöte aus Rohr. Bienenständer sind ausgehöhlte
Holzklötze, der Schuh ist der Bundschuh aus Ledersohle, die mit
Riemen um den Fuss geschnürt wird. Die Thonwaren zeigen vorgeschichtliche
Formen. Dazu nehme man den Reichtum an Aberglauben und die urwüchsige,
in ausgiebigen Proben mitgeteilte Volkspoesie, und man wird zugestehen,
dass man in Europa kaum ein zweites Gebiet finden kann, welches dem
Volkskundigen ähnliche Ausbeute liefert.
Vom Ackerbau, der Kultur des Weines, der Hülsenfrüchte
und Gemüse, des Waldes und allem, was damit zusammenhängt,
giebt Erzherzog Ludwig Salvator mit erstaunlicher Sachkenntnis und Gründlichkeit
eine ebenso umfassende als sachgemässe Darstellung, die von hohem
Interesse ist und dem Werke für alle Zeiten einen ganz besonderen
Wert sichert. Die Jagd- und Fischereigeräte sind ausführlich
erwähnt und durch Abbildungen anschaulich gemacht. Für die
Schiffahrt ist Mallorca noch immer ein wichtiger Platz, wenn auch nicht
mehr von der Bedeutung früherer Jahrhunderte. Die Zahl der zum
Seehandel in Hochsee und in Küstenfahrt verwandten Schiffe von
Mallorca betrug 1871 : 347, ausserdem zählte man noch neun Dampfer,
welche einer einheimischen Dampfschifffahrtsgesellschaft angehören
und den offiziellen Postdienst und Passagierverkehr besorgen.
Unterseeische Kabel vermitteln die Kommunikation mit Menorca, Ibiza
und dem spanischen Festlande. Der Telegraph geht über die ganze
Insel mit der Zentralstation in Palma; damit verbunden ist der Postdienst,
der im Inneren der Insel durch Fussboten und Wagen besorgt wird.
Mit besonderer Vorliebe wird die Hauptstadt Mallorcas,
Palma, in welcher viele reiche Familien wohnen, eingehend behandelt.
Sie zählt jetzt 50 000 Einwohner, während sie zur Maurenzeit
deren etwa 80 000 aufwies. Der Erzherzog schildert die zweckmässig
angelegte Wasserleitung, welche, schon unter den Arabern begonnen, von
König Jaime I. ausgeführt wurde; die hervorragenden Privat-
und öffentlichen Bauten. Charakteristisch nehmen sich einige wunderschöne
Hofräume und Stiegenhäuser in Privatpalästen aus, wo
sich die geschmackvolle Verschmelzung des maurischen mit dem gotischen
Stil in der anmutigsten Weise zeigt. Grossartige Verhältnisse zeigen
die öffentlichen Bauten, unter denen sich Hallengänge in einzelnen
Klöstern befinden, die von dem feinsten Kunstsinn und der korrektesten
Ausführung, insbesondere der reichsten Ornamentik Zeugnis geben.
Der Palast der Könige, der alte Alcazar, im Renaissancestil, beherrscht
weithin das Meer und den Haupteingang zur Stadt. In hohem Grade imposant
ist aber die Kathedrale.
Unter
den Gebäuden der Stadt", so schreibt der Verfasser, "ragt
keines infolge seiner Grösse und Lage in so hohem Masse hervor,
wie eben die Kathedrale. Sie wurde an der Stelle der maurischen Hauptmoschee
erbaut, und zwar unmittelbar nach der Eroberung der Stadt durch Jaime
I. el consistador, und unter den folgenden Regenten bis 1601 vollendet,
majestätisch blickt sie in ihrer fast goldgelben Farbe mit den
gewaltigsten Gewölben der gotischen Periode in die darunter liegende
weite See.
Einst, als die Balearen noch im Besitze der Mauren
waren, nach deren Vertreibung sie ein eigenes Königreich bildeten,
ankerten in dem sicheren Hafen von Palma die stolzen Kauffarteischiffe
auf ihrer Fahrt vom europäischen Festlande nach Italien und der
afrikanischen Küste, und zahlreiche Schiffe der reichen Handelsherren
von Mallorca unterhielten einen lebhaften Handelsverkehr mit den Häfen
des Mittelmeeres. Dieser Glanz ist dahin, aber das Andenken an die grosse
Zeit lebt fort in den herrlichen Baudenkmälern des Mittelalters,
besonders in der schönsten Kaufhalle Spaniens, der Lonja, ein gotischer
Prachtbau, der lebhaft an den Dogenpalast in Venedig erinnert. Wunderbar
schön sind die gewaltigen Pfeiler, welche die Wölbung stützen.
Wenige
Städte", sagt Erzherzog Ludwig Salvator, "bieten dem
Ankommenden ein so liebliches Bild; bei wenigen vereinigen sich Form
und Farbe zu einem so völlig harmonischen Ganzen. Wenn man vom
Meere, namentlich von Westen aus, in die weite Bai von Palma hineinfährt,
so sieht man allmählich die Türme, dann die goldfarbigen Wälle
und das Häusermeer der Hauptstadt der Balearen in der Ferne auftauchen,
märchenhaft und still. Ein hoher saphirblauer Bergkranz bildet
den Hintergrund derselben, scharf gezeichnet am blauen Äther wie
das strahlende Bild einer Vision. Hoch hinauf steigen die grauen Pitonen
empor und öffnen sich in dunkle Thäler, welche Licht und Schatten
zum glücklichen Einklange verbinden. Rechts und links umsäumen
die grünende Ebene zwei Reihen von Windmühlen, welche am Meere
wie die ausgebreiteten, blendend weissen Schwingen eines riesenhaften
phantastischen Vogels erscheinen. - - -
Die nordische Gebirgskette Mallorcas birgt die schönsten Gegenden
der Insel. Der erfahrene Kenner von Naturschönheiten der ganzen
Welt, Erzherzog Ludwig Salvator, rühmt sie mit den Worten: "Die
Perlen der Umgebung von Neapel, die Gefilde von Sorrento und Amalfi
sind nicht herrlicher als diese Gebirgslandschaften."
Von Miramar, der Besitzung des Erzherzogs, einer alten klösterlichen
Ansiedlung am nördlichen Abhang der Sierra und ihrer Höhen
auf Mallorca, welche der Erzherzog im Jahre 1872 ankaufte und nach Thunlichkeit
wiederherstellen liess, heisst es: "Tritt man, von der Plattform
des Hauses einige Treppen hinuntersteigend, auf eine mit Ölbäumen
bewachsene Verflachung, so wird jeder Mensch hoch überrascht sein,
wenn er hinabschaut und die schwindelnde Tiefe bis zum Meere übersieht,
wo Fischerboote wie kleine Bojen erscheinen und Felsenspitze auf Felsenspitze,
Vorgebirge auf Vorgebirge, von der sphinxartigen Foradada bis zur Punta
de s'Aliga, auf einander folgen. Die Lage des Hauses ist wirkliche bezaubernd.
Ringsum lachende Wiengärten, hin und wieder durch Johannisbrotbäume
unterbrochen und oberhalb des Hauses eine Palmenterrasse; im Osten die
Foradada, weit in das Meer vorspringend, im Süden der steile waldige
Abhang, und oben, wie ein Adlerhorst an den Felsenwänden, der Mirador
de ses Pitas, im Norden das grenzenlose Meer." -
Das Juwel von Mallorca heisst man allgemein das auserlesene Schloss
des Erzherzogs, sein Lieblingssitz, den er mit dem rastlosen Eifer des
Sammlers und Gelehrten und mit dem Schönheitssinn des Künstlers
auf das Vollendetste ausstaffiert hat.
Das Innere trägt den Charakter eines mallorquinischen Landhauses.
Die Einrichtung besteht aus Erzeugnissen der Insel, prächtigen
alten mallorquinischen Möbeln, schönen eingelegten arabischen
Kästen und Truhen und einer sehr reichhaltigen Sammlung alter Fayencen.
Die seltsamsten und originellsten Gegenstände aus aller Herren
Länder sind hier aufgestapelt und das Künstlerauge seines
hohen Besitzers mag sich an den schönen Gegenständen erfreuen,
welche wohl auch wohlthuende Erinnerungen an seine vielen Reisen in
ferne Zonen erwecken.
Gleich dem österreichischen Miramar am
Adriatischen Meere ist auch dessen so weit entfernte Namensschwester
von einem zauberhaften Märchenpark umgeben, der die gesamte Flora
Mallorcas enthält. In der schönen gotischen Kapelle (Trinidad)
hört der Erzherzog täglich die Messe. Aber auch ausserhalb
des Burgfriedens von Miramar erkennt man auf Schritt und Tritt das segensreiche,
humanitäre Walten des kaiserlichen Prinzen und dessen Streben,
die natürliche Schönheit der Örtlichkeiten in den Dienst
der Kultur zu stellen.
Vom Thale am Valldenmohr bis zu dem von Deya bildet der ganze nördliche
Abhang der Sierra mit Waldungen. Weinbergen und Ölbaumpflanzungen
die erzherzogliche Besitzung Miramar.
San Marroix, das am schönsten gelegene Haus Mallorcas, inmitten
eines terrassenförmigen Gartens, liess der Erzherzog zu einem Museo
Industrial Agricolo der Balearen einrichten.
Dicht am Wege liegt die Hospederia von Miramar, ein Herbergshaus mit
20 Betten, wo jeder einkehrende Fremde drei Tage ohne Entgelt wohnen
kann, San Masroig mit seinen reichen Oliven- Orangen- und Obstpflanzungen,
Estacas Malvasier - Weingärten, die weit bis an das Meer herabreichen,
an dessen Küste die Fischer in malerischer Lage zwischen See und
Fels ihr reinlichen Häuschen bewohnen.
Als einer der idyllischsten Plätze wird
seine kleine Besitzung St. Telmo geschildert, welche auf einem Hügelvorsprung
mit entzückender Aussicht gegen das Meer gelegen ist. Sie besteht
aus einem alten, 1581 erbauten Verteidigungsturm nebst angebauter Hospederia
und einer Kapelle, welche der fromme Sinn des Erzherzogs an jener Stelle
errichten liess, auf der das Christentum dereinst auf Mallorca seinen
Einzug hielt.
Nicht allzu weit von Soller, bei der Ortschaft Bannalbufar, erhebt sich
eine andere Küstenhöhe, welche auf den erzherzoglichen Wanderer
einen womöglich noch mächtigeren Zauber übt: " Torre
del Verger". Die auf einem Felsenvorsprung liegende Torre del berger
ist ein runder Turm von vier Varas Höhe und gehört zu den
ältesten Atalayas (d.i. Turm der Küstenbefestigung).
Diese
Stelle", schreibt der Erzherzog, "ist geradezu paradiesisch
zu nennen, ja, ich möchte sagen, die schönste der Insel. Man
kann hier einerseits die Küste bis zu den Zacken des Dragonera,
anderseits bis zum Kap Gros von Soller überblicken. Jedesmal, wenn
ich zu diesem grossartigen Landschaftsbild kam, wurde ich von dessen
Schönheit so gefangen genommen, als hätte ich dasselbe noch
nie gesehen. Schliesslich machte ich den Felsen zu meinem Eigentum und
manchmal lenkte ich meine Schritte nur dorthin, um von der äussersten
Höhe bald in die schwindelnde Tiefe meerwärts zu schauen,
bald nach dem Freu der Dragonera mit dem daneben gelegenen St. Telmo,
bald nach meinem weithin sichtbaren, hoch gelegenen Heim von Valldemosa
zu blicken.
Als die schönste Ortschaft der Insel Mallorca,
ja man kann ruhig sagen, eine der herrlichsten der Welt, schildert der
Verfasser das Örtchen Soller:
Alles
findet sich hier in schönster Vereinigung, landschaftliche Schönheit
der Umgebung, Fruchtbarkeit des Bodens, grosser Wasserreichtum, balsamische
Luft mit dem sonnigen Himmel und mildes gesundes Klima. Durch den hohen
Gebirgskranz ist die Gegend vor Winden geschützt. - Die nächste
Umgebung von Soller, die Huerta, gehört zu den lieblichsten der
Insel. Nach allen Richtungen ist sie von Bächen durchrauscht, mit
Orangenbäumen umgeben.
Die Aussicht von den das Thal von Soller umgebenden Bergen, deren Spitzen
bis in die Schneeregion reichen, gehört nach Erzherzog Ludwig Salvator
unstreitig zu den schönsten Gebirgsaussichten des Mittelmeers,
während ihre Abstürze nach der Seite des Meeres Scenerien
bilden, wie man sich dieselben nicht wilder und pittoresker denken kann.
Die
hohen steilen Wände, auf beiden Seiten mit tiefen Höhlen und
Tropfsteingebilden, geben ein wirkungsvolles Bild. Nicht weniger grossartig
sind die Wände der Schlucht, mit dem Torrent zur Linken, der aus
einer engen, steilen, an den Seiten mit Lorbeer, Epheu wilden Feigenbäumen
und Alaternen bewachsenen Schlucht mit zahlreichen Felsenklüften
hervorbricht. Hier, wo sich die hohen Wände stellenweise mit einander
berühren, herrscht stets ein kühler Luftzug.
Ähnliche Scenerien bietet die Gebirgswelt
Mallorcas in Fülle.
Zu den hervorragendsten Sehenswürdigkeiten zählen die Grotten
Arta und Cova del Drach.
Diese im Zentrum der Insel Mallorca gelegenen Grotten, wovon die letztere
vom Erzherzog entdeckt wurde, könnten sich an Grossartigkeit und
Schönheit selbst mit der Adelsberger Grotte messen und sind reich
an domartigen Wölbungen, Seen, Gängen, Schluchten und an höchst
merkwürdigen Stalaktitenbildungen.
In
gewaltigen Massen türmen sich die Gebirge aufeinander, indem die
niedrigeren gegenüber den höheren die Stelle riesiger, von
der Natur geschaffener Strebepfeiler vertreten. Bald erheben sich ganze
Reihen in hohen, kahlen, grauen, scharf gezähnten Kämmen,
bald senken sie sich wieder plötzlich in eine kleine Schlucht,
die in das hell erleuchtete Bild durchsichtige Schatten wirft. Andere
Höhen dagegen sind wieder mehr kuppenförmig gestaltet, und
eine Reihe solcher Kuppen lagert sich um die beiden Puig Majors, gleichsam
einen Hof um das Reich dieser Bergriesen bildend - die Blicke, welche
diese Berge untereinander und in die Ferne bieten, wetteifern miteinander
an Grossartigkeit der Naturschönheiten.
Am meisten imponiert übrigens diese in den mannigfaltigsten
Formen zerrissene Gebirgswelt dem Blick bei Gelegenheit einer Rundfahrt
um die Insel, wobei die zahlreichen Überreste ehemaliger Befestigungen
gegen feindliche Einfälle in Form von Türmen, mittelalterlichen
Burgen u.s.w., sowie die hier und da auftauchenden Leuchttürme
das Malerische der Scenerie um so lebhafter hervortreten lassen. Wie
notwendig diese Befestigungen im Laufe der Zeit gewesen sein mögen,
zeigt ein Blick auf die höchst interessante Geschichte der Inseln,
über welche nacheinander Karthager, Römer, (welche die Reste
eines Amphitheaters hinterlassen haben), Vandalen, Westgoten, Oströmer,
Franken Araber u.s.w. als zeitweilige Besitzer dahingezogen sind, bis
dieselben schliesslich bei Spanien verblieben. Sogar ein eigenes Königreich
hat die Hauptinsel Mallorca im Mittelalter unter den Herrschern Jaime
I., II, und III, längere Zeit hindurch gebildet.
Von der malerischen Beschreibung der mallorquinischen Küste sei
noch folgende Stelle erwähnt.
Viele
Punkte der Küste Mallorcas sind schön und wild.; kaum einer
aber bietet so viele malerische, unbelauschte Schönheiten wie die
Einbuchtung der Foradada. Um die ganze wilde Pracht derselben kennen
zu lernen, muss man an einem Nachmittage bei Meeresstille mit dem Boote
die Halbinsel entlang fahren. Dann hört man das Jauchzen der grossen
Silbermöven und das Geschrei des über dem Loch der Foradada
nistenden Fischadlers; Hunderte von Kormoranen fliegen empor, tauchen
nieder und hüpfen im Wasser; Scharen von Puffinen, Tausende von
Mauerschwalben umkreisen zischend nach allen Richtungen die Felswände.
Ein förmliches Gewühl hat das unerwartete Erscheinen des Bootes
in der Vogelwelt hervorgebracht. Es ist ein Gejauchze, ein Geschrei,
ein Wogenplätschern ohne Ende. Bleibt man aber einen Moment still,
so beleben sich phantasmagorisch die scheinbar verlassenen Felswände.
Aus jedem Loche blickt ein furchtsamer Kormoran mit seinem grauen Köpfchen
hervor, oder alte, mehr erfahrene, strecken ihren langen Hals aus dem
Gesimse der Felsen, andere tauchen aus der Flut empor und verstecken
sich in den Seehöhlen, bis endlich auch die entferntesten mit schweren
Flügelschlägen zurückkehren, da sie sehen, dass ihnen
keine Gefahr droht. Alle nehmen ihr Alltagsleben wieder auf, und selbst
der Adler schreit zufrieden aus seinem Horste. Zieht man mit dem Boot
weiter, so trifft man eine lange Reihe von Seehöhlen, welche das
Meer einschlürfen und in die man mit dem Boot hineinfahren kann.
Darüber wölben sich zwei riesig grosse gotische Dome, umgeben
von einem Kranze von Zoophyten und Seetang, für welche die stets
zerstörende Welle eine Art Stufen ausgewaschen hat; eine wahre
Nereïdenbank, wo die Antinien sich öffnen, die Napfschnecken
sich anschmiegen und die Seesterne und Seeigel ihre Heimat haben u.s.w.
Als Beweis, wie begeisternd oder erweckend mallorquinische
Naturschönheiten auf die dichterischen Anlagen der Bewohner selbst
wirken, seien hier die Endstrophen des von Thomas Torteza bereits erwähnten
Lobgedichtes angefügt:
Ach.
Mallorca, du entzückst mein Herz
Mit dem schönen Blau deines Himmels,
Mit deinen rauschenden Ufern,
Welche die leichte Brise bewegt,
mit den Blumen deiner Wiesen,
Mit dem Gesang deiner Vögel;
Des Himmels und des Paradieses
Abbild bist du für mich!
Ach. Mallorca, wenn ich dich verlasse,
Werde ich vor Heimweh sterben!
Ein schönes Land ist Mallorca,
denn Mallorca ist ein reicher Garten.

Menorca
Als östlichste der Baleareninseln hat Menorca infolge ihrer Lage
und den Einflüssen des Golfs von Lyon das wenigst milde Klima,
da der Nordwind zu allen Jahreszeiten vorherrschend ist. Nichtdestoweniger
hat die Insel durch das Fehlen hoher Gebirge den Vorteil, dass sie nicht
wie Mallorca einen Teil des Jahres auf ihren Bergspitzen Schnee behält
und somit die dadurch notweniger Weise erfolgende Abkühlung der
umgebenden Luft hier wegfällt. Betreffs der sanitären Verhältnisse
zeigt es sich , dass strichweise in den Niederungen die Malaria über
die ganze Insel sich zieht, und die Armut und schlechte Ernährung
der Bewohner machen diese empfänglicher für die Fieberkrankheiten.
Infolge der wiederholten Einwanderungen und
der mehrfachen fremdländischen Occupationen ist leichtbegreiflich
der Typus der Bevölkerung Menorcas ein sehr verschiedenartiger.
Ein grosser Teil der arabischen Bevölkerung hat sich zur Zeit der
Eroberung mit der christlichen assimiliert und es ist daher der arabische
Typus noch vielfach erhalten. Namentlich im Südosten der Insel
begegnet man manchem jugendlichen Männergesicht, welches dermassen
arabisch aussieht, dass eine gewisse Überwindung dazu gehört,
den Jüngling nicht arabisch anzusprechen. Anderseits könnte
man sich in Mahon bei Betrachtung von so manchem Mädchenantlitz
im Westend von London wähnen und häufig haben diese englische
Voreltern aufzuweisen. Ein verschiedener Typus ist auch in den einzelnen
Ortschaften vorhanden. Am schönsten sind die Leute an beiden Enden
der Insel, namentlich in den beiden grösseren Städten, vor
allem in Ciudadela, wo die edle regelmässige Form der Gesichter
besonders auffallend hervortritt. In zweiter Linie steht in dieser Beziehung
Alayor, wo sich die Bewohner, wie in San Luis, namentlich die bildschönen
Kinder hauptsächlich durch ihre gesunde Gesichtsfarbe auszeichnen.
Das Schumacherhandwerk beschäftigt 4000
bis 5000 Personen beiderlei Geschlechtes oder etwa über fünf
Achtel der Gesamtbevölkerung. Aus den Ausfuhrlisten ergiebt sich
die bemerkenswerte Thatsache, dass mehr als 64 % des Exportes, sowie
im Küstenverkehr, als auch im Aussenhandel auf Schuhwerk entfallen.
(ca. 21 000 000 Pesetas oder Franken). Im Gebiete von Mahon zählte
man im Jahre 1887 allein 778 Schuhmacher; im Distrikte Ciudadela deren
77, in jenem vom Alayor 475 Meister und Gesellen. Für die Ausfuhr
arbeiten zahlreiche Fabrikanten: Die Postdampfer der Sociedad Mahonesa
de Vapores verschifften in 15 Jahren (1873 - 1885) im ganzen 60 650
Kisten mit Schuhwerk, jährlich also im Mittel 4043. Die Cargotage
spielt im Handelverkehr zur See die Hauptrolle mit 59 470 287 Pesetas,
von denen 2 171 520 Pesetas auf Europa und Afrika, 1 557 063 Pesetas
auf Amerika kommen. Im Quinquennium 1882 bis 1887 wurden an Zöllen
895 725 und an Abgaben, Grund- und Gewerbesteuern nahezu 7 Millionen
Pesetas vereinnahmt.
Menorca besitzt drei Dampfer, welche den pflichtmässigen
Dienst der beiden offiziellen Linien von Mahon nach Palma Alcudia und
Barcelona besorgen; im Sommer fährt aller 14 Tage ein Dampfer direkt
von Mahon nach Algier. Der Postverkehr wird durch die Dampfer nach aussen
und mittels Correos-Wagen nach innen besorgt, welche Anschluss an die
Dampfer haben und einen recht regen Passagierverkehr auf den Hauptfahrstrassen
herbeiführen.
Der Erzherzog schildert die Menorquiner als
ein gewecktes, intelligentes Volk mit vielen Anlagen, namentlich zeigen
sie grosse Vorliebe für Musik und erlernen dieselbe mit Leichtigkeit.
Jährlich gehen aus den Musikschulen Mahons Zöglinge hervor,
welche nach den verschiedensten Gegenden und namentlich nach Amerika
als Musiklehrer ziehen und von denen manche ein hübsches Vermögen
zusammenbringen. Für die mechanischen Gewerbe zeigen die Menorquiner
ebenfalls grosse natürliche Anlagen, und man findet eine ansehnliche
Anzahl von Werkleuten, welche ohne Gewerbeschule oder sonstige Vorbildung,
nur vermöge ihrer Intelligenz, merkwürdig gute Arbeiten zustande
bringen. Für die Schiffahrt besitzen sie eine nicht minder grosse
Vorliebe, sodass sie zu allen Zeiten treffliche Seeleute abgaben. Ihre
Moralität ist in ganz Spanien sprichwörtlich geworden, und
wohin sie auch wandern, überall bleiben sie dieser ausgezeichneten
Eigenschaft getreu.
Ein anderer
charakteristischer Zug der Menorquiner", sagt der Autor, "ist
die Freundlichkeit; ich kann sagen, dass ich bei meinem Aufenthalte
auf der Insel und bei meinen vielen Wanderungen nach allen Richtungen,
bei welchen ich Personen von jeglicher Bildungsstufe und aus den verschiedensten
Kreisen zusammenkam, nicht einem einzigen Menschen begegnet bin, der
mich nicht gastfreundlich aufgenommen hätte. Ganz überraschend
ist die Freundlichkeit, mit der man namentlich im Innern des Landes
bewirtet wird; überall werden freundliche Anerbietungen gemacht,
überall ladet man freigebig zum Essen und Trinken ein. "Non
som entre Moros" (wir sind nicht unter Mauren) sagte mit einst
ein Bauer, "nehmen sie nur, was sie wünschen". Besonders
unter den jungen Mädchen findet man nichts von jener falschen Scheu,
der man in anderen Gegenden begegnet, sondern eine natürliche Freundlichkeit
und Lebhaftigkeit, die nur eine freie und sittsame Erziehung zu geben
vermag. Gar herzig sind auch die kleinen Kinder, wenn sie mit gekreuzten
Armen einem entgegenkommen, damit man sie segne.
Litteratur ist nicht die starke Seite der Menorquiner. Aus den letzten
drei Jahrhunderten wurden gleichwohl dem Erzherzog einige siebenzig
Schriftstellernamen genannt, darunter einige aus der Gegenwart. Die
Bücherschätze, welche die im alten Franziskaner-Kloster untergebrachte
öffentliche Bibliothek in Mahon besitzt, betragen 13526 Bände,
darunter 55 datierte und 40 undatierte Incunabeln, sowie einige Handschriften.
Im Rats-Archiv von Mahon werden mehrere Urkunden aus dem 14. und 15.
Jahrhundert aufbewahrt.
Der Volkspoesie widmet das Werk mit Recht eine besondere Beachtung.
Hierher gehört auch eine Sammlung von Sprichwörtern, 176 an
der Zahl, in welchen vielfach der praktische Verstand und der gesunde
Mutterwitz der Insulaner zum Ausdruck kommt; viele beziehen sich auf
Wind und Wetter, beides so wichtig für Seefahrer und Landwirte,
z.B.: Auch wenn das Jahr gut ist, beklagt sich der Bauer. Besser klein
und lebhaft, als gross und dumm. Denke gut von jedermann, aber traue
niemand. Wer nicht zu Gott zu beten weiss, der gehe zur See. Heiraten
und säen lässt sich nicht raten. Eine Rechnung macht der Esel,
die andre der Treiber. Versprechen macht keinen Menschen arm u.s.w.
Viele dieser Volksdichtungen zeichnen sich, ähnlich wie auf Mallorca,
durch die Zartheit und Innigkeit der Empfindung aus. Al Beweis nur das
eine Gedicht "Mutterliebe", dessen Motto lautet:
Meine
Mutter, meine Mutter,
Die süsseste Gesellschaft;
Wer sie hat, kennt sie nicht,
und wer sie verliert, seufzt dennoch.
Nun wird die Mutterliebe in ihren verschiedenartigsten
Bethätigungen, in allen möglichen Lebenslagen gepriesen. So
lautet die eine schlicht graziöse Strophe:
Wohin gehst
du, Madonna,
Wohin gehst du durch die Felder
Voll Schnee und Gestrüpp,
In dieser Kälte und in diesem Wind?
Wohin gehst du, arme Madonna,
Ohne Mantel und barfuss?
- Etwas Holz zu suchen,
Um zu erwärmen meine Kinder.
Und didaktisch klingt dieses Volkslied voll wunderbaren
Wohllautes, tiefen Eindruck hinterlassend, aus:
Wer
nicht die Mutter liebt,
Niemand kann er lieben,
Weil eine Mutter eine Märtyrerin ist
Für das Wohl ihrer Kinder.
Sie bewacht uns, wenn wir klein sind,
Und pflegt uns, wenn wir gross sind,
Lacht, wenn wir zufrieden sind,
Weint, wenn wir weinen,
Willfahrt unsere Launen
Was wollen wir mehr wünschen?
Eine merkwürdige Leichtigkeit haben
ihre Volksdichter im Improvisieren und einige derselben sind imstande,
einen Wettkampf in Versen selbst stundenlang zu führen; manche
haben einen satyrischen Charakter und nehmen die Form eines Dialoges
an:
Wir fügen nur eine kleine Probe bei:
Zur
Zeit meiner Jugend
Gefiel mir sehr das Dichten,
Zeigend die Tugend, die
Gott des Himmels mir gab.
Jetzt aber alt und buckelig,
habe ich alles gehen lassen,
Und mit der Krücke in der Hand
Mache ich auf der Welt, was ich kann.
Juan
und die Juana
Gehen zu Holz;
Montag satteln sie,
Dienstag gehen sie weg,
Mittwoch kommen sie an,
Donnerstag fällen sie Holz
Freitag laden sie,
Sonnabend gehen sie weg,
Sonntag kehren sie zurück,
Darum sterben sie vor Hunger.

In Mahon erscheinen vier periodische Zeitschriften,
darunter zwei Revistas. Auch Ciudadela hat seine Journale. Selbst für
die an kindlichen Spielen sich erfreuende Jugend hat der Erzherzog ein
teilnehmendes Auge. Er führt eine ganze Liste, mehr als 200, Kinder-
und Jugendspiele auf, viele auch anschaulich beschreibend, wie z.B.
Knabenspiele: "Matar Judius", sodann "Moros en terra".
Ersteres erinnert an die Judenverfolgung, letzteres an die seeräuberischen
Überfälle der Mauren. Die erwachsenen Einwohner ergötzen
sich meistens am Kartenspiel. Das Werk nennt fünfzig verschiedenen
Arten, darunter zwei verbotene, wie "Baccarà" und "Monte"
(Banca).
Die Lage Menorcas als die östlichste Spaniens
im Mittelmeer ist für die Schiffahrt recht günstig und der
Schiffsverkehr wird ausserdem beträchtlich durch den Umstand vermehrt,
dass Mahon der einzige Lazaretthafen Spaniens im Mittelmeer ist und
selbst den grössten und tiefgehendsten Schiffen vortrefflichen
Ankergrund gewährt.
Der Handel beschränkt sich auf die beiden Haupthäfen Mahon
und Ciudadela, wovon die erstere die Hauptstadt ist, während Ciudadela
römischen Ursprungs, schon zur Zeit der Römer und Araber befestigt,
noch einen altertümlichen Charakter bewahrt hat. Die Bewohner der
letzteren bilden sich viel darauf ein, dass die Stadt fast ganz flach
liegt, sie loben ihre Vaterstadt mit den Worten: "so schön
flach wie die Hand, überall kann man gehen ohne zu ermüden."
In Wort und Bild zeigt der Erzherzog während eines Rundganges alle
Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Mahon, welche 18 032 Einwohner
zählt. Architektonisch bemerkenswert ist besonders das Rathaus
aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts. In Ciudadela geben der dort residierende
Bischof mit dem Domkapitel und die grossen Behausungen einiger Adeligen
der kleinen Ortschaft mit 8200 Einwohnern noch ein städtisches
Ansehen.
Der Hafen von Mahon steht in Verbindung mit
dem stattlichen Molo, welcher als Signalturm den wartenden Mahonesern
das Herannahen von Schiffen oder ganzen Geschwadern verkündet.
Die Festungsarbeiten zur Verteidigung des inneren Hafens wurden, 1848
begonnen und ohne Unterbrechung fortgesetzt, zur einer Quelle des Reichtums
für Menorca. Nicht nur, dass viele Familien der Insel, welche sonst
infolge der Missernten hätten auswandern müssen, dort Arbeit
finden konnten, sondern dass auch viele aus Mallorca und Ibiza herüberkamen
und sich auf Menorca ansiedelten. So wurde eine Werk, das einst zur
Zerstörung bestimmt war, eine wirkliche Wohlthat, von Tausenden
gesegnet.
Der Erzherzog schliesst sein im grossartigen Stil angelegtes und mit
grosser Ausdauer durchgeführtes Werk mit den Worten:
Möge
dies für Spanien ein günstiges Omen seiner künftigen
friedlichen Entwickelung sein und möge diese Feste auf dem östlichen
Vorgebirge Spaniens im Mittelmeere, welche achtunggebietend dessen Wogen
beherrscht, gleichsam als riesige Schildwache das häufig zum Zankapfel
gewordene Eiland für Spanien beschirmen!
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